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Digitale Preisschilder und Roboter im Handel © Messe Düsseldorf/Constanze Tillmann
© Messe Düsseldorf/Constanze Tillmann

natalie Oberhollenzer 17.11.2017

Digitale Preisschilder und Roboter im Handel

Die EuroCIS ist die Technik-Leitmesse des Handels. In 2018 zeigt sie, wie die Zukunft nun endlich passiert.

••• Von Natalie Oberhollenzer

Es wird wieder ein Rekordjahr geben”, freut sich Elke Moebius, Director der EuroCIS, Messe Düsseldorf GmbH, über die von ihr verantwortete Messe. Der Jour fixe für alle an IT-Lösungen für den Handel interessierte Menschen findet im kommenden Jahr vom 27. Februar bis zum 1. März statt. Über 400 Aussteller aus mehr als 30 Nationen werden ihre neuesten Technologien zeigen und die Leute staunen lassen, was heutzutage alles möglich ist.

Ein Beispiel gefällig? Ulrich Spaan, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Messen sowie Forschungsbereich Informationstechnologie des EHI Retail Institute, weiß gleich von mehreren zu berichten – von der virtualisierten Umkleide etwa, die dem Kunden das lästige Anprobieren der Textilien erspart. Dank eines „magischen” Spiegels oder vielmehr Screens bekommt der Konsument das Kleidungsstück am eigenen Körper zu sehen. Eine Software projiziert es einfach auf den jeweiligen User – ein Traum nicht nur für die vielen probierunwilligen Männer, sondern noch viel mehr für all jene Fashionistas, denen das viele An- und Ausziehen zu mühsam ist.
Ein weiteres großes Thema auf der nächstjährigen EuroCIS ist Robotics, wie Moebius und Spaan unisono verraten. Lange Zeit wurde die Technologie als Spielerei belächelt, jetzt aber hat die Handelsbranche ihre Berührungsängste verloren.
„Sie werden mittlerweile nicht mehr nur in der Logistik eingesetzt, sondern auch in der Verkaufsfläche”, so Spaan. In drei Media Märkten in Deutschland ist etwa der Roboter „Paul” im Einsatz, der vor allem eine Orientierungsfunktion erfüllt, indem er die Kunden durch die Regale hin zu den richtigen Warenangeboten führt. Wobei er nicht nur stumm vor sich hinläuft, sondern die Menschen währenddessen auch über bestimmte Produkte und Angebote informiert. „Ein Roboter wie Paul ist in vielerlei Hinsicht einsetzbar – es gibt einen großen Spielraum”, erklärt Moebius.
Auch hierzulande haben wir im Lebensmitteleinzelhandel schon mit derlei Technologien Bekanntschaft gemacht. In manchen Merkur Märkten wandert das humanoide Roboter-Mädchen „Pepper” herum. Es ist derzeit in erster Linie als Marketing-Gag gedacht, soll Kunden begrüßen und Angebote bewerben. Aber auch aus Pepper könnte theoretisch mehr werden als ein Gimmick.
Eine Technologie, die bis dato noch nicht auf der EuroCIS vertreten war, sind Lichtleitsysteme. Dabei handelt es sich nicht um bloße Leuchten, die sich automatisch einschalten, sobald sich etwas bewegt. Es sind Beleuchtungssysteme, die via Smartphone mit der durch die mit ihnen ausgestatteten Räumlichkeiten spazierenden Person kommunizieren. Osram und andere große Lichtkonzerne bieten mittlerweile sogar an, schon bestehende Beleuchtungssysteme im Handel mit bestimmten, derart „intelligenten” Modulen zu erweitern.
Lange vor sich hingedümpelt haben außerdem die Elektronic Shelf Labels, digitale Preisschilder also, mithilfe derer die Preisauszeichnung ein Leichtes werden soll. Zu teuer, noch längst nicht ausgereift genug, zu wenig Nutzen, lauteten die Gründe der Handelsmanager gegen eine derartige Investition. Nun ist aber Schwung in die Sache geraten, nicht zuletzt deshalb, weil die vielseitige Einsetzbarkeit erkannt wurde, wie Spaan erläutert: „Sie können eine digitale Schiefertafel in der Obst- und Gemüseabteilung aufstellen. Oder dynamic pricing-Strategien besser und schneller umsetzen.”
Ebenso lange im Gespräch, aber ebensowenig durchgesetzt hat sich der Self Checkout. Welche Branchen erobert diese IT, fragt sich ­Spaan und stellt fest, dass sich die Anwendung zumindest immer mehr ausbreitet. Zuletzt hat ­Decathlon alle seine 25 Stores in Deutschland mit der Technologie ausgestattet. Wobei es auch hier schon wieder eine neue Spielart gibt: Mobiles Self-Scanning mit dem Smartphone wird gerade in der Schweiz und den USA getestet. Praxistauglich ist es aber derzeit nicht – noch nicht.

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