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Fair ist schwer © Panthermedia.netb / Andrew Lozovyi

Über zwei Drittel kaufen bewusst regional, jeder Zweite Bio- oder Fairtradeprodukte – doch es gibt viel Luft nach oben.

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Über zwei Drittel kaufen bewusst regional, jeder Zweite Bio- oder Fairtradeprodukte – doch es gibt viel Luft nach oben.

Redaktion 18.02.2022

Fair ist schwer

Nachhaltiger Konsum liegt im Trend und ist beliebt, doch die Arbeiterkammer ortet (ausräumbare) Hindernisse.

WIEN. Eine Befragung der Arbeiterkammer Wien zum Thema nachhaltiger Konsum offenbart eine Diskrepanz zwischen Wille und Fähigkeit zum entsprechenden Verhalten – eine Diskrepanz, deren Verschulden die Studienautoren allerdings weniger beim Konsumenten verorten als bei diversen vermeidbaren Hindernissen: „Die größten Hürden sind fehlende klare Kennzeichnung von nachhaltigen Lebensmitteln, ein Wirrwarr an Gütezeichen und schwierige bis unmögliche Reparaturen”, so Johanna Bürger, Konsumforscherin der AK Wien. Eine Rolle spiele freilich auch das Einkommen.

Relativ nachhaltig

Gemäß Befragung kaufen fast zwei Drittel bewusst regional und immerhin fast jeder Zweite gezielt Bio- oder Fairtrade-Produkte; die Mehrheit befürwortet Maßnahmen wie das Plastiksackerlverbot (84%), Mehrweg-Pfandsysteme (85%) und ein Pestizidverbot (89%).

„Urlaub auf Balkonien” hat laut Erhebung primär finanzielle Gründe, doch habe die Klimadebatte für jeden Dritten dazu beigetragen, das eigene Reiseverhalten zu verändern. Die Bereitschaft, Haushaltsgroßgeräte reparieren zu lassen, bewegt sich zwischen 40 und 70%; gewünscht werden u.a. Gütesiegel für die Lebensdauer (75%) und Reparierbarkeit (77%), Garantie-Verlängerung auf fünf Jahre (86%) sowie eine Verpflichtung zur Bereitstellung von Ersatzteilen und Software-Updates über zehn Jahre (82%).

Gütesiegel ohne echte Güte

Um nachhaltigen Konsum leichter zu machen, brauche es Regeln, meint Gabriele Zgubic, Leiterin der Abteilung Konsumentenpolitik der AK Wien. Wichtig sei Schutz vor „Greenwashing”: Für Gütesiegel sollte es einheitliche Kriterien und unabhängige Kontrolle geben. Beim Lieferkettengesetz sollten Konsumenten sicher sein können, dass sie Waren kaufen, die ohne Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung hergestellt wurden.

Ein Weg gegen den Missbrauch von Nachhaltigkeit als reines Marketinginstrument sei eine zentrale Datenbank für Green Claims nach dem Vorbild der Health-Claims-Datenbank der EU. Angaben wie „CO2-reduziert” oder „klimafreundlich” könnten so wissenschaftliche Kriterien geknüpft werden. (red)

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