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Gut gewappnet in die Zukunft: Berglandmilch © Berglandmilch
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Gianna schöneich 01.03.2019

Gut gewappnet in die Zukunft: Berglandmilch

Geschäftsführer Josef Braunshofer spricht im Interview über ein herausforderndes Jahr 2018.

••• Von Gianna Schöneich

Erst vor Kurzem schütte­ten wieder sardinische Milchbauern ihre Milch auf die Straße, um gegen Dumpingpreise in der Milchwirtschaft zu protestieren. Laut dem Agrar-Atlas gaben seit 2012 insgesamt 19.000 Landwirte ihren Betrieb auf – keine erfreulichen Fakten. Und auch das 2015 abgeschaffte System der fixen Milchquote bereitete Kopfschmerzen.

Österreichs größte Molkerei Berglandmilch führte einen Mengenverzicht und ein Bonus-Malus-Modell erfolgreich ein und wappnete sich so 2018 für die Zukunft. Im Interview spricht Berglandmilch-Direktor Josef Braunshofer über das vergangene Jahr und inwieweit Ernährungstrends mit Mopro korrespondieren.


medianet: Herr Braunshofer, im Jänner 2018 setzten Sie auf Mengenverzicht und ein Bonus-Malus-Modell. Was haben Sie sich konkret von diesen Maßnahmen versprochen und haben diese 2018 gegriffen?
Josef Braunshofer: Wir haben dieses Modell 2018 eingeführt, um für unsere Milchbauern einen Anreiz zu setzen, die Milchmenge im ersten Halbjahr nicht weiter steigen zu lassen. Bei Mehrlieferungen im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat und unter Berücksichtigung einer dreiprozentigen Zusatzmenge gab es für die Mehrmenge einen Abschlag. Bei Unterlieferung erhielt der Landwirt einen entsprechenden Bonus. Dieses Modell hatte nur im ersten Halbjahr 2018 seine Gültigkeit, und wir waren mit dem Erfolg sehr zufrieden.

medianet:
Wie würden Sie das Jahr 2018 generell für Berglandmilch beschreiben?
Braunshofer: Wir sahen das Jahr 2018 doch als ziemlich fordernd. Umsatzmäßig werden wir in unserer Gruppe das Jahr 2018 mit einem Wert von ca. 950 Mio. Euro abschließen. Die Mitarbeiteranzahl hält sich mit 1.500 konstant, ebenso wie die Anzahl der Werke, nämlich elf. Wir haben in den Jahren 2017 bis Mitte 2018 unsere Käserei Voitsberg neu gebaut, deren Kapazität verdoppelt und Mitte des Jahres ohne große Probleme hochfahren können.

medianet: Der Fleischkonsum geht zurück, und immer mehr Milchprodukte werden konsumiert. Allerdings tritt jetzt vermehrt der Ernährungstrend Veganismus auf den Plan. Spüren Sie diesen Ernährungstrend, der ja auf den Konsum von Tierprodukten aller Art verzichtet?
Braunshofer: Es gibt neben der veganen Ernährungsweise auch noch die mengenmäßig viel bedeutendere vegetarische; und hier sind wir mit unseren Produkten ja gut dabei.

medianet: Erst vor Kurzem sind wieder italienische Milchbauern auf die Straße gegangen und haben aus Protest bezüglich Dumpingpreisen ihre Milch auf die Straße geschüttet. In Österreich gaben 19.000 Landwirte seit 2012 den Betrieb auf, da die Produktionskosten steigen und die Preise für Milch weitgehend konstant bleiben. Zudem wird der anstehende Brexit den Fördertopf für Europas Bauern schmälern. Sind das Zahlen, die Ihnen Kopfschmerzen bereiten? Bieten Sie konkrete Maßnahmen gegen das Aussterben der Bauern?
Braunshofer: Milch ist ein hochwertiges Lebensmittel. Das öffentliche Ausschütten von Milch ist daher ein Aktionismus, den wir ablehnen. Die Reduktion der Anzahl der Milchbauern ist natürlich nicht erfreulich. Sie hängt ganz stark mit der Hofübergabe von einer Generation zur nächsten zusammen. International sind die österreichischen Milchbauern noch immer klein. Wir versuchen u.a. auch mit Sondermilchprogrammen – z.B. Biomilch, Heumilch – zusätzliche Wertschöpfung zu den Bauernhöfen zu bringen.

medianet: Ist Österreich auch 2018 ein beliebtes Exportland in Sachen Molkereiprodukte gewesen?
Braunshofer: Unsere Hauptexportdestination ist nach wie vor die EU. Im Drittlandsgeschäft spielt der Ferne Osten eine immer größer werdende Rolle.

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