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Klasse statt Masse: Der Wandel beim Fleisch © Panthermedia.net/Thomas Francois
© Panthermedia.net/Thomas Francois

Redaktion 15.06.2018

Klasse statt Masse: Der Wandel beim Fleisch

Der Verbraucher will hohe Standards bei Fleisch & Wurst. Das spüren die Hersteller, so Micaela Schantl, AMA.

••• Von Eva Kaiserseder

WIEN. Micaela Schantl ist Leiterin der Marktforschung im AMA-Marketing und beantwortete einige Fragen zum Thema Marktentwicklung, Konsumausgaben und Agrarexporte.

medianet: Laut RollAMA sind die Haushaltsausgaben 2017 deutlich gestiegen. Wie macht sich dieser Trend bei Fleisch und Wurst bemerkbar?
Micaela Schantl: Das liegt unter anderem auch an der wachsenden Nachfrage nach Bio- und Premiumprodukten. Bei Fleisch und Geflügel stiegen die Umsätze 2017 um fünf Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode, die Warengruppe Wurst und Schinken verzeichnet ein wertmäßiges Wachstum von drei Prozent.

medianet: Der Markt für Fleisch ist hart umkämpft. Wie nehmen Sie die Entwicklung konsumentenseitig wahr, und wie reagieren die Hersteller?
Schantl: Es gibt ein Umdenken, es wird stärker auf Qualität geachtet, dafür weniger häufig Fleisch gegessen. Maßgeblich sind einerseits gesundheitliche Motive, Stichwort Selbstfürsorge, und das Thema Tierwohl. Die Hersteller reagieren, indem sie immer mehr auf höhere Standards beim Tierwohl setzen und an Qualitätsprogrammen teilnehmen. Der Lebensmittel­einzelhandel forciert diese Entwicklung, das AMA-Gütesiegel wird mittlerweile von fast allen Handelsketten als Standard vorausgesetzt, Module zur artgerechten Tierhaltung werden ausgebaut und ausgelobt.

medianet:
Wir haben gerade beim Fleisch einen hohen Anteil an Agrarexporten, vor allem nach Deutschland. Welche Märkte sind noch wichtig?
Schantl: Wichtige Exportländer für Rindfleisch sind neben Deutschland, unserem Hauptmarkt, vor allem Italien und die Niederlande. Bei den Schweinefleischexporten liegt Deutschland wertmäßig nur an sechster Stelle, die Top Drei-Exportmärkte sind Italien, Südkorea und Ungarn, gefolgt von Slowenien und Japan. Geflügel erreicht vorwiegend den deutschen Markt, ebenso Wurstwaren; andere Länder haben hier nur geringe Bedeutung.

medianet: Was essen und kaufen die Österreicher beim Fleisch am liebsten und warum?
Schantl: Die beliebtesten Fleischarten der Österreicher sind Schweinefleisch und Hühnerfleisch – gleichermaßen im LEH wie in der Gastronomie. Schweinefleisch wird besonders aus Gründen des Geschmacks, der Verwendungsvielfalt und auch wegen des relativ günstigen Preises geschätzt. Hühnerfleisch gilt als ernährungsphysiologisch vorteilhaft und fettarm sowie als einfach in der Zubereitung. Rindfleischkonsumenten loben vor allem die hohe Fleischqualität und verwenden diese Fleischart gern zu besonderen Anlässen.

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