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Krisenfester Exportschlager © pixabay

Trotz des abrupten Ausfalls des Tourismus- und Gastrosektors brachte es die österreichische Milchwirtschaft auf ein Umsatzplus von 3,2%.

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Trotz des abrupten Ausfalls des Tourismus- und Gastrosektors brachte es die österreichische Milchwirtschaft auf ein Umsatzplus von 3,2%.

Redaktion 02.04.2021

Krisenfester Exportschlager

Die heimische Milchwirtschaft macht Umsatzentgänge in der Gastro mit einem Plus im LEH und Export wett.

••• Von Paul Hafner

WIEN. „Die Milchwirtschaft hat den Härtestest 2020 bestanden”: So das Resümee von VÖM-Präsident und Kärntnermilch-Geschäftsführer Helmut Petschar. Trotz Umsatzeinbrüchen in der Gastronomie im Ausmaß von 60 und 80% steht den österreichischen Milchverarbeitern für das herausfordernde Jahr 2020 in Summe ein Umsatzplus von 3,2% auf 2,95 Mrd. € zu Buche.

Verantwortlich dafür sind zum Teil große Absatzverschiebungen hin zum LEH: Die Roll­AMA verzeichnete Rekordmengen beim Absatz besonders bei Butter (+15,5%) und Käse (+10,8%), gefolgt von der weißen Palette mit einem Plus von 9,1% und der bunten Palette mit +4,5%. Die Einkaufspreise für die Konsumenten stiegen um durchschnittlich 3,3%.
Neben der Absatzverschiebung von Gastro zu LEH ist auch ein neuer Höchstwert bei den Milchexporten für das Umsatzplus verantwortlich: Die österreichischen Milchexporte erreichten 2020 auf Basis der vorläufigen Zahlen der Statistik Austria mit 1,312 Mrd. € einen neuen Höchstwert und konnten um 4,5% zulegen. Die drei bedeutendsten Exportländer waren Deutschland (mit einem Anteil von 50% das wichtigste Exportland), Italien und China.



Import / Export

Bei den Importen gab es indes mit 1,2% auf 836,3 Mio. € einen verhältnismäßig deutlich geringeren Zuwachs, was zu einem gestiegenen positiven Außenhandelssaldo von 475,4 Mio. € (+10,7%) führte. Die Exportquote, bezogen auf den Umsatz, betrug 44,5%, die Importquote 28,4%.

Zahl der Milchbauern sinkt

Handlungsbedarf sieht Petschar in der raschen Einführung einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung. Nur so könne der Verbraucher „eine fundierte Entscheidung treffen und die Produkte leichter erkennen, die immer mehr geforderten, strengeren Standards und Herstellungskriterien entsprechen”. Es müssten daher die rechtlichen Möglichkeiten der Herkunftskennzeichnung aufgrund der vielfach höheren Qualität heimischer Milchprodukte genutzt und verbessert werden. „Ich erwarte mir hier im heurigen Jahr seitens der zuständigen Stellen Unterstützung und dass rasch engagierte Schritte gesetzt werden”, so Petschar.

Einen Wermutstropfen stellt der anhaltende Trend zum Milchbauernsterben dar: Deren Anzahl verringerte sich um 3,8% auf rd. 24.650. „Der Strukturwandel der Milchbauern geht natürlich weiter. Die Landschaft der Milchbauern ist sehr kleinstrukturiert, 70 Prozent der Produktion finden in Berggebieten statt”, erklärt Petschar.
Der Milchkuhbestand blieb mit 525.000 gleich, im Durchschnitt hielt jeder Landwirt 21,3 Kühe – ein international gesehen kleiner Wert.

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