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Ökobilanz bei PET: Ein wahres Übel? © Fachmarktzentrum Telfspark
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christian novacek 17.05.2019

Ökobilanz bei PET: Ein wahres Übel?

Benedikt Kauertz vom Institut für Entsorgung und Umwelttechnik über die derzeit emotional geführte PET-Diskussion.

••• Von Christian Novacek

Benedikt Kauertz, Themenleiter „Umweltbewertung von Verpackungen” am unabhängigen ifeu-Institut, plädiert für eine faktengestützten Diskussion über Getränkeverpackungen mittels Ökobilanzen.

 

medianet: Kunststoff ist der Buhmann unter den Verpackungsmaterialien, PET-Flaschen stehen immer wieder in der Kritik. Wie sehen unabhängige Experten diese Diskussion?
Benedikt Kauertz: In der Öffentlichkeit nehmen wir stellenweise eine enorme Vereinfachung der Sachverhalte wahr. Zugegeben, Ökobilanzen zur neutralen Bewertung von Verpackungsarten sind sehr komplex. Materialbedarf, Energieaufwand in Produktion und beim Recycling, der Anteil von recyceltem PET-Material in neuen Flaschen und vieles mehr spielen eine Rolle. Welche Verpackungsart sich für ein bestimmtes Produkt eignet, hängt von mehreren Faktoren ab. Deshalb sollte man eine bestimmte Verpackungsart nicht pauschal verteufeln.

medianet: Wie schneiden PET-Getränkeverpackungen aktuell aus ökobilanzieller Sicht ab?
Kauertz: PET-Flaschen stehen ökobilanziell vergleichsweise gut dar. Das liegt insbesondere an dem leichten Gewicht und den damit verbundenen CO2-Einsparungen beim Transport gegenüber zum Beispiel schwererem Glas. Die Wertstoffkreisläufe sind nahezu geschlossen, was wiederum eine positive Ökobilanz begünstigt. Entgegen der landläufigen Meinung beinhalten PET-Flaschen zudem keine Weichmacher.

medianet: Sie sprechen positiv über PET. Woher kommt aus Ihrer Sicht die negative Grundhaltung in der Öffentlichkeit?
Kauertz: Die ersten Ökobilanzen des Umweltbundesamts 2000 und 2004 waren eigentlich bereits vergleichsweise gut. 2008 kam die nächste Ökobilanz zu dem Schluss, insbesondere PET-Einwegflaschen seien nachteilig.

medianet:
Woran lag das?
Kauertz: Nach der Einführung des Einwegpfands 2003 hatten zuerst viele Discounter Getränke aus PET-Einwegflaschen aus dem Sortiment genommen. Infolgedessen konsolidierte sich der Markt. Die Abfüllung von PET-Flaschen konzentrierte sich bei nur wenigen Herstellern. Als die Discounter PET-Einwegflaschen nach und nach wieder ins Sortiment nahmen, mussten die verbliebenen Mineralbrunnen über weite Strecken liefern. Zu diesem negativen Faktor kamen damals noch vergleichsweise schwere Flaschen sowie ein Einsatz von recyceltem PET-Material hinzu, der nahezu bei null lag. Seit der Ökobilanz 2008 heißt es nun in der Öffentlichkeit: Vorfahrt für Mehrweg – bis heute. Diese generalisierte Aussage hält heutigen Erkenntnissen aber nicht mehr stand.

medianet: Wie ging es ökobilanziell weiter?
Kauertz: 2010 erstellten wir im Auftrag der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen die bisher letzte ISO-konforme Ökobilanz hinsichtlich Getränkeverpackungen. Darin kamen wir zu folgenden Ergebnissen: PET-Mehrweg- sind vorteilhafter als Glas-Mehrwegflaschen. Und in bestimmten Segmenten sind PET-Einwegflaschen ökobilanziell sogar gleichwertig zu Glas-Mehrwegflaschen. Sicherlich spielt dabei eine Rolle, dass für drei Liter Mineralwasser vier 0,75-Liter-Glas-Mehrwegflaschen und nur zwei 1,5-Liter-PET-Einwegflaschen nötig sind. Die Ökobilanz berücksichtigt diesen Effekt, indem sie alle Ergebnisse auf eine vergleichbare Ebene, nämlich 1.000 Liter Getränke, skaliert. Alleine das schlug sich natürlich positiv für PET-Einwegflaschen nieder. Hinzu kamen Gewichtseinsparungen und bessere Recyclingkapazitäten.

medianet: Höhere Mehrweg­quoten werden gefordert. Ist diese Mehrweg-/Einweg-Diskussion noch zeitgemäß?
Kauertz: Aus unserer Sicht ein klares Nein. Wir halten eine festgeschriebene Mehrwegquote für nicht zielführend hinsichtlich der Umweltziele. Aktuell schreibt das Verpackungsgesetz eine solche Quote von 70 Prozent vor. Es findet aber keinerlei Differenzierung statt. Dieser Quote liegen pauschale Bewertungen zugrunde, die den Ergebnissen der Ökobilanzen der vergangenen Jahre zum Teil widersprechen oder Teilergebnisse als allgemeingültig darstellen. Wir schlagen daher festgeschriebene Zielwerte sowohl für Mehrweg als auch für Einweg vor.

medianet: Wohin bewegt sich aus Ihrer Sicht der Getränkemarkt?
Kauertz: Solange sich der gesetzliche Rahmen nicht drastisch ändert, wird es nicht die großen Umwälzungen geben. Wir erwarten einen Anstieg von PET-Verpackungen bei Milch- und Milchmixgetränken. PET-Einwegflaschen werden dabei sicherlich auch weiter optimiert. Durch spezielle, bereits heute verfügbare Glasinnenbeschichtungen sind PET-Flaschen für Saft eine Alternative, um auch Saftflaschen zu bepfanden und mit sortenreinem PET-Material zu recyceln. Aktuell dreht sich viel um weitere Materialeinsparungen. Dass der Handel das Thema für sich entdeckt hat, ist sicherlich positiv für die gesamte Verbesserung von PET-Ökobilanzen. Wenn größere Player am Markt vorangehen werden andere nachziehen.

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