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Österreich als Biokaiser: Öko & regional ist Trumpf © APA/dpa/Daniel Karmann
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Eva Kaiserseder 29.06.2018

Österreich als Biokaiser: Öko & regional ist Trumpf

Die Bioanteile im LEH wachsen konstant, und das zum Teil stark. Über Kaufmotive und Favoriten.

Von Eva Kaiserseder

Krumm, gelb und der Star im Bio-Regal: Die Banane. Sie ist das beliebteste Bio-Obst 2017 hierzulande, auf den Rängen folgen Orangen, Zitronen und Äpfel. Beim Gemüse tummeln sich Kartoffeln, Karotten und Tomaten ganz vorn. „Die Bioanteile werden auch bei Obst und Gemüse in den nächsten Jahren im hoch einstelligen oder niedrig zweistelligen Bereich weiter wachsen. Wegen der noch niedrigen Ausgangsbasis werden die positiven Effekte des Zuwachses medial weiterhin aber kaum wahrgenommen werden”, so Reinhard Geßl, der beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) u.a. für die Konsumenteninformation verantwortlich zeichnet.

Stetiges Wachstum

Trotz solidem und mitunter starkem Wachstum sind die Bioanteile im LEH aber bei den Frischprodukten mitnichten durch die Decke schießend: Mengen- als auch wert­mäßig liegt man bei unter zehn Prozent. Konkret weist die RollAMA aktuell bei Frischobst einen Bioanteil von 8,6 Prozent Menge und bei Kartoffeln 10 Prozent aus. Das Stichwort hier lautet – nomen est omen – allerdings: stetig und gesund statt explosiv.

„Besonders in den letzten beiden Jahren ist die Bio-Landwirtschaft hierzulande erneut beachtlich gewachsen. Dabei handelt es sich nicht um einen kurzfristigen Boom; die aktuellen Zahlen zeigen vielmehr, dass man von einem nachhaltigen Wachstum sprechen kann. Produktionszuwächse und Absatz der Bio-Produkte entwickeln sich im Gleichklang. Daher haben die Bio-Bauern sowie die gesamte Bio-Branche in Österreich allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken”, skizziert Bio Austria-Obfrau Gertraud Grabmann die Situation zu Recht mit Stolz. Schon seit geraumer Zeit gilt Österreich als Bioland par excellence; nirgends sonst gibt es so viele Bio-Bauern, gemessen an der Fläche: 23.117 Betriebe sind dezidiert bio, das entspricht 20,4% der hiesigen Landwirte – für 2018 prognostiziert Bio Austria einen Anstieg auf 20,9%.

Bio-Konsumenten sind treu

Die Motive, warum hierzulande zu Bio gegriffen wird, sind laut aktueller „Bio-Konsumenten Studie” eindeutig: Als wichtigste Kaufmotive gelten Gesundheit bzw. gesunde Ernährung, gefolgt von der Verknüpfung von bio und regional und der Vermeidung von Chemie, also Kunstdüngern und Spritzmitteln. Explizit auf den Geschmack legt allerdings auch ein erklecklicher Teil der Käufer Wert: Satte 57% sagen laut RollAMA, dass sie die Qualitätsunterschiede aus traditioneller und Bio-Landwirtschaft entweder als sehr groß oder eher groß empfinden. Bio-Konsumenten sind außerdem treu: Rund drei Viertel der Befragten geben an, dass sie Bio-Lebensmittel so gut wie täglich bis mehrmals im Monat konsumieren – oft Hand in Hand gehend mit einer generellen Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, etwa der Reduktion von Fleisch.

Bio im LEH brummt

Was Vertriebswege und Geschäftsmodelle in Sachen Distribution angeht, tut sich so einiges, Stichwort Ausweitung von Online-Angeboten, Food Coops oder das populäre Bio Kisterl. Direktvertrieb und Fachhandel haben demzufolge auch immer noch die Nase vorn, 21,9% der Konsumenten beziehen dort ihre Biowaren. Ein massives Schäuferl hat in Österreich außerdem der LEH zum Konsum beizutragen – und das in beeindruckendem Ausmaß: 1.230 Mio. € schwer war der Markt für Bioprodukte laut AC Nielsen in Österreich 2016; zum Vergleich: 1.080 Mio. Umsatz hieß es noch im Jahr davor, anno 2015. Dazu tragen renommierte Eigenmarken wie Ja! Natürlich (Rewe) oder Natur pur (Spar) ihren Teil bei, quasi als demokratische Instanz mit dem Motto: Bio für alle! Und die Käufer goutieren das: Bio-Heavy User sind laut RollAMA für mehr als die Hälfte des Bio-Umsatzes im LEH verantwortlich. Die Tendenz: steigend.

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