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Raus aus dem Kaffeehaus, rein in den Supermarkt © Darbo AG
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Redaktion 19.03.2021

Raus aus dem Kaffeehaus, rein in den Supermarkt

Martin Darbo über Konsumverlagerungen und die große Unberechenbarkeit in der Coronakrise.

••• Von Daniela Prugger

STANS / TIROL. So wie derzeit viele Hersteller trifft der starke Einbruch im Tourismus auch das Tiroler Unternehmen Darbo. Ob der Rückgang in diesem Jahr noch stärker als 2020 ausfallen wird, wird sich noch zeigen. Immerhin, sagt Vorstandsvorsitzender Martin Darbo, wisse man nach zwölf Monaten Pandemie aber, dass die Lebensmittelherstellung eine sehr stabile Branche ist. Was man nicht im Kaffeehaus frühstückt, besorgen sich die Konsumenten im ­Supermarkt. Flexibilität von beiden Seiten sei mehr denn je gefragt.

medianet: Herr Darbo, am 8. März war der internationale Frauentag. Welche Maßnahmen zur Gleichstellung und Ver­einbarkeit von Beruf und Familie setzt das Unternehmen Darbo?
Martin Darbo: Vielfach besteht bei jungen Familien der Wunsch – manchmal aber auch die Notwendigkeit – nach Teilzeitstellen, welche es zumeist Müttern erlauben, sich Familie und Erwerbsarbeit in jeweils ausreichendem Maß zu widmen. Darbo beschäftigt mittlerweile ca. 380 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und kann somit in vielen Fällen der ‚Nachfrage' nach Teilzeitstellen nachkommen. Flexibilität ist dabei von beiden Seiten gefragt: Natürlich müssen sich auch im Bereich von Teilzeitstellen die Vorstellungen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer decken. Insgesamt haben wir einen branchenüblich hohen Frauenanteil – sowohl in der Produktion, aber auch in der Verwaltung.

medianet: Welche Rolle spielen Gendergerechtigkeit, Inklusion und Diversität?
Darbo: Als Industriebetrieb sind wir auf die Mitarbeit von Menschen unterschiedlichster Herkunftskulturen angewiesen. Hätte man damit als Arbeitgeber in unserer Branche Berührungsängste, so würde man sich nicht zuletzt selbst unnötig einschränken. Eine Herausforderung ist natürlich das unterschiedliche Sprachniveau, da Kommunikation an jeder Position eines produzierenden Betriebs nötig ist. Aber auch dies lässt sich nach unserer Erfahrung durch beiderseitiges Engagement überwinden. Über alle Unterschiede und vermeintlichen Unterschiede hinweg ist der Erfolg, der nur als Team möglich ist, ein einendes Element.

medianet: Wie hat sich denn die Unternehmenskultur durch die Pandemie verändert?
Darbo: Da geht es uns wahrscheinlich wie vielen anderen Industriebetrieben auch: Kommunikation auf Distanz, also online, wurde quasi von einem Tag auf den anderen zum Standard. Bei den Begriffen ‚Besprechung' oder ‚Meeting' denkt auch bei uns mittlerweile niemand mehr an einen Sitzungsraum, sondern an Bildschirm und Headset. Die von der Politik zu Beginn der Pandemie so bezeichnete ‚neue Normalität' ist da. Woran man sich als Unternehmen allerdings nicht gewöhnen kann, ist die Unberechenbarkeit der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, womit eine Planung sehr schwierig wird: Wir sind auch wichtiger Lieferant für das Frühstücksbuffet nationaler und internationaler Tourismusbetriebe und wissen nicht, wann und ob es aus diesem Bereich wieder zu einer relevanten Nachfrage kommen wird.

medianet: Wie blicken Sie als Unternehmer den kommenden Monaten entgegen?
Darbo: Nach zwölf Monaten Pandemie wissen wir, dass die Lebensmittelherstellung eine sehr stabile Branche ist. Absolut herausfordernd ist zurzeit allerdings eine zuverlässige Planung. Die Politik kann ihre aktuellen Maßnahmen, also Öffnungen und Schließungen, nur am Infektionsgeschehen orientieren und dieses ist offensichtlich unvorhersehbar. Als Zulieferer von Hotellerie und Gastronomie beeinflusst der Status dieser Branchen natürlich auch unser Geschäft. Was man nicht im Café­haus frühstückt, besorgt man sich halt im Supermarkt. Allerdings benötigen Gastronomie und Lebensmitteleinzelhandel unterschiedliche Sortimente.

medianet: Darbo ist in Stans in Tirol angesiedelt – jenes Bundesland, das in der jüngsten Vergangenheit international immer wieder für Aufsehen gesorgt hat. Wie würden Sie denn die wirtschaftliche Situation derzeit beschreiben?
Darbo: Wir liegen im mittleren Unterinntal etwa im Tiroler Zentralraum; somit haben wir keine Mitarbeiter, die von außerhalb Tirols pendeln. Der Warenverkehr funktioniert nach unserer Wahrnehmung reibungslos. Für Tirol insgesamt ist natürlich die Schließung von Gastronomie und Tourismus ein schwerer Schlag – das bestätigen auch Zahlen wie der Wirtschaftsrückgang oder die Arbeitslosenquote. Unser Bundesland ist damit von der Krise überproportional hart getroffen.

medianet: In unserem letzten Interview sagten Sie, dass es in der Gastronomie deutliche Umsatzverluste gab. Wie liefen die Geschäfte in den anderen Absatzkanälen?
Darbo: Die Marktzahlen des Lebensmitteleinzelhandels zeigen, dass dieser stark an Umsatz zulegen konnte, da die Außer-Haus-Verpflegung teilweise ganz zum Erliegen kam. Diese Entwicklung – mehr LEH, weniger Gastro – kommt so natürlich ungebremst bei den Lebensmittelherstellern an und hat die Umsatzgewichtung der einzelnen Segmente stark verschoben.

medianet: Die Frühstücksmärkte im LEH sind seit der Pandemie gewachsen. Inwiefern setzt sich diese Entwicklung fort?
Darbo: Dies trifft für den LEH durchaus zu. Andererseits trifft die Hersteller natürlich der starke Einbruch der Nachfrage aus dem Tourismus. Wie stark und ob der Rückgang noch stärker als 2020 wird, wird sich zeigen. Dieser Umsatz fehlt uns und anderen Gastronomiezulieferern, während der Absatz Richtung LEH zugelegt hat.

medianet:
Welche Rolle spielen Fasching und Ostern für Darbo?
Darbo: Eines unserer Standbeine ist die Belieferung von Groß- und Kleinbäckereien mit Krapfenfüllen und anderen, speziell für die Backstube entwickelten Marmeladen. Diese haben traditionell ihren Schwerpunkt im Fasching. Insofern machen wir hier die Saisonalität im Bereich Süßgebäck mit. Unsere wichtigsten Produkte – Konfitüren, Marmeladen und Honig – haben ihren Schwerpunkt im Herbst, bis etwa Weihnachten. Ostern kann da nicht ganz mithalten, auch wenn hier gern ausgiebig gefrühstückt wird.

medianet:
Gibt es Produktneuheiten, die in den kommenden Wochen und Monaten auf den Markt kommen?
Darbo: Wir denken gerade jetzt an unsere Kunden in der Gastronomie. Brandneu am Markt ist daher unser Dispenser fürs Frühstücksbuffet: Sechs Fruchtaufstriche sowie Blütenhonig in gewohnt hoher Darbo-Qualität stehen nun auch in einem attraktiven Spendersystem zur Verfügung. Der Dispenser aus Edelstahl und Aluminium passt zu jedem Frühstücksbuffet, die Fruchtaufstriche und den Honig erhält man im Gastrogroßhandel in 900- bzw. 1.000 g-Spenderflaschen. Wir bieten damit quasi eine Dienstleistung mit an, da der Gast sich das Produkt selbst portioniert, und die einfache Handhabung dem Wirt Arbeit erspart. Im Einzelhandel liefern wir gerade wieder unsere limitierten Sommersorten des Fruchtikus aus: Für heuer bieten wir wieder die beliebte Sorte Pfirsich-Himbeer, die während der warmen Jahreszeit neben den Standardsorten im Kühlregal erhältlich sein wird.

medianet: Welche Konsumtrends beobachten Sie derzeit?
Darbo: Schon mehr als ein bloßer Trend ist die Reduktion von Zucker, welche immer mehr Menschen in ihrer täglichen Ernährung anstreben. Um auch dafür ein Angebot bereitzuhaben, gibt es relativ neu in unserem Sortiment zuckerreduzierte Fruchtaufstriche; durch ihren hohen Fruchtanteil weisen sie ein Drittel weniger Zucker als traditionelle Konfitüren auf. Bei Darbo zählt in erster Linie der Geschmack, und den scheinen wir auch bei unseren Zuckerreduzierten Aufstrichen getroffen zu haben, wie uns Zuschriften, aber auch handfeste Absatzzahlen im In- und mittlerweile auch Ausland bestätigen. Generell ist unsere Haltung zu Trends, dass wir weder den Drang haben, immer die Ersten zu sein, noch alles abzudecken.

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