Und wie geht es der Möbelbranche?
© Service&More/Felix Büchele
RETAIL Redaktion 30.04.2020

Und wie geht es der Möbelbranche?

Service&More rechnet für heuer mit einem 20%-Minus für KMU, erwartet 2021 aber einen „starken wirtschaftlichen Aufschwung”.

••• Von Paul Hafner


Rund die Hälfte der 296 Mitgliedsbetriebe von Service&More, der größten Einkaufs- und Dienstleistungsorganisation für kleine und mittlere Unternehmen der Einrichtungsbranche, dürfen seit dem 14. April wieder offen haben. Darunter fallen Raumausstatter mit kleineren Schauräumen und kleinere Wohn- und Küchenstudios der Möbelbranche.

So früh nach der Wiedereröffnung sei es zwar „schwierig, schon Bilanz zu ziehen”, so Service&More-Geschäftsführer Christian Wimmer. Man könne aber bereits erkennen, „dass es noch einige Wochen bis Monate dauern wird, bis die Normalität wieder einigermaßen einkehrt”.

Mehr Normalität ab Mai

Wenngleich Bau- und Gartenmärkte ungleich mehr Andrang haben, irritiert Wimmer das verhaltene Interesse nicht: „Derzeit haben das Heimwerken und die Gartenarbeit, wie man bei den Anstürmen auf die Bau- und Gartenmärkte sehen kann, höchste Priorität. Genauso wird das Interesse an der Einrichtung der eigenen vier Wände nach einiger Zeit auch wiederkommen.”

Geschäfte mit größerer Fläche und Möbelhäuser müssen sich indes mit der Eröffnung noch bis kommenden Freitag gedulden: „Der 2. Mai ist für uns ein Tag, den wir uns rot und grün im Kalender angestrichen haben. Das gesamte Team freut sich riesig über die Wiedereröffnung, wir alle sind top motiviert”, verlautbarte etwa kika/Leiner-CEO Reinhold Gütebier.
Auch bei Ikea ist man frohen Mutes: Schon vor Ostern wurden die Bauarbeiten am Westbahnhof, wo der erste City-Ikea Österreichs entsteht, wieder aufgenommen; trotz des zwischenzeitlichen Stillstands auf der Baustelle hofft man weiterhin, bis Herbst 2021 eröffnen zu können.
Der Jahresstart für den Einrichtungsmarkt sei jedenfalls „heuer wieder sehr stark” gewesen, so Wimmer, die Mitglieder von Service&More hätten „bis Ende Februar sehr gute Zahlen geschrieben”. In der jetzigen Situation sei dennoch mit einem Rückgang von ca. 20% für das gesamte Jahr 2020 zu rechnen. Für 2021 hingegen gehe man „aktuell von einem starken Wirtschaftsaufschwung aus. Auch wenn unsere Partnerbetriebe wirtschaftlich sehr gut aufgestellt sind, werden sich die Auswirkungen der Coronakrise zeitverzögert zeigen.”

Onlinehandel boomt

Starke Umsatzeinbußen von bis zu 60% für den schwedischen Möbelriesen Ikea verkündete vergangene Woche Jesper Brodin, Chef des Mutterkonzerns Ingka Group. Lichtblick in einer „Zeit, in der man vor allem überlebe müsse”, seien die Verkäufe über das Internet, die stark angezogen und sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt hätten.

Eine höhere Nachfrage habe man insbesondere bei Büromöbeln und Küchenausstattungen bemerkt; in Erwartung eines Babybooms – wie ihn Krisen in der Vergangenheit ausgelöst hätten – sollen die Lager nun mit Babyprodukten aufgefüllt werden, verkündete Brodin.
Dass der Bereich „Living” –Möbel, Haushaltswaren und Heimtextilien – ein Trendthema im heimischen E-Commerce ist, hörte man kürzlich auch von Unito-Geschäftsführer Harald Gutschi, der in diesem Segment einen Zuwachs von 10,9% im letzten Geschäftsjahr bekannt gab.
In der Krise sei die Nachfrage volatil: Nach deutlichen zweistelligen Rückgängen kurz nach Inkrafttreten der Maßnahmen stieg die Zahl der Online-Visits enorm, parallel kam es zu einer Verschiebung der Kundennachfrage; während das Textilgeschäft nachgab, gab es bei Wohn- und Einrichtungsgegenständen wieder ein deutliches Plus im zweistelligen Bereich.

Gerüstet für den Neustart

Im stationären Einrichtungshandel hofft man durch das nun bevorstehende allgemeine Ende der Geschäftssperren wieder auf einen Boost – auch jene Geschäfte, die schon seit 14. April geöffnet haben, sollten durch die absehbare allgemeine Frequenzzunahme profitieren.

kika/Leiner kündigte bereits an, kostenlose Schutzmasken sowie Handschuhe für Kunden bereitzustellen und auf Personenbeschränkung (eine Person pro 20 m² Ausstellungsfläche) zu setzen. Dem Beispiel der Lebensmittelhändler folgend, wurden mobile Plexiglaswände installiert, es gibt erhöhte Reinigungsintervalle sowie regelmäßige Schulungen der Teams.
„Die Gesundheit unserer Kunden, aber auch unserer Mitarbeiter, hat für uns oberste Priorität! Daher haben wir alle Vorkehrungen getroffen, um einen reibungslosen und sicheren Besuch in unseren Häusern zu gewährleisten”, so Gütebier. Zudem können Termine für Einrichtungsberatungen vorab online vereinbart werden, um Wartezeiten zu vermeiden.

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