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„Wir gewöhnen uns an eine gewisse Windstärke” © Berglandmilch
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Redaktion 06.07.2018

„Wir gewöhnen uns an eine gewisse Windstärke”

Berglandmilch-Chef Josef Braunshofer im Interview über den Umgang mit volatilen Märkten.

••• Von Daniela Prugger

Viel Milch wird angeliefert in Österreich. Die Bauern produzieren immer mehr. Und Molkereien müssen nun überlegen, was sie mit der vielen Milch tun, zumal der Milchabsatz hierzulande im Vorjahr nur um 0,7 Prozent gewachsen ist. Österreichs größte Molkerei Berglandmilch sieht sich dieser Herausforderung gewachsen. Nachdem 2015 europaweit das System der fixen Milchquoten abgeschafft wurde, führte die Gruppe ein befristetes Mengensystem ein.


medianet: Nach den vielen Turbulenzen am Milchmarkt sind die Produzenten in ruhigeres Fahrwasser gekommen. Wie ist denn das Jahr bei der Berglandmilch abgelaufen?
Josef Braunshofer: Also ich würde das Fahrwasser nicht als ruhig bezeichnen. Ich würde eher sagen, dass wir mit volatilen Märkten umgehen lernen müssen. Wir gewöhnen uns gerade an eine gewisse Windstärke und den dazugehörigen höheren Wellengang. Wir versuchen, die damit verbundenen Konsequenzen für unsere Bauern erträglich zu gestalten. Die Milchquotenregelung ist gefallen, damit müssen wir gemeinsam umgehen. Ich glaube, dass die Berglandmilch auf einem guten Weg ist. Für das Jahr 2018 bin ich zuversichtlich.

medianet: Weil wir gerade bei den Bauern waren – gibt es eine Art freiwilligen Mengenverzicht, den Sie nutzen konnten?
Braunshofer: Wir haben als Berglandmilch im Jänner 2018 einen freiwilligen Verzicht lanciert und ein Bonus-Malus-Modell getestet. Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit unseren Bauern und der Volatilität leben können. Wir wollen nicht jammern.

medianet:
Obwohl sich die Butterpreise verdoppelt haben, hat der Konsument keinen Aufstand gemacht. In gewisser Weise scheint auch der Konsument gelernt zu haben, mit der Volatilität des Markts umzugehen.
Braunshofer: Das glaube ich auch. Aber wenn Sie sagen, dass sich die Butterpreise verdoppelt haben, sprechen Sie vom Preiseinstieg. Die Marken-Preisniveaus schwanken viel weniger. Erster Punkt: Ich gehe davon aus, dass der Konsument ein Markenkäufer ist und daher hat er nicht den doppelten Preis zu zahlen. Zweiter Punkt: Wenn über die Butter geschrieben wird, dann ist das ein Zeichen, dass es ein wichtiges Produkt ist.

medianet:
Inwiefern ist die ­Butter ein wichtiges Produkt?
Braunshofer: Die Butter erlebt eine Renaissance. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Butter liegt in Österreich bei über fünf Kilo im Jahr. Wenn wir die Mehrkosten pro Person ausrechnen, dann ist die Preissteigerung nicht die Welt. Wir glauben, dass wir auch in Zukunft den Konsumenten erklären können, dass das Produkt Butter ein zu hundert Prozent natürliches Produkt ist und der Preis daher gerechtfertigt ist.

medianet: Ein wichtiges Segment für die Berglandmilch ist der Käse. Steigt der Konsum nach wie vor?
Braunshofer: Wir sind in Österreich auf wirklich gutem Niveau. Wir liegen in Bezug auf den Käse- Pro-Kopf-Verbrauch – in der Formel 1–Sprache erklärt – im Windschatten von Deutschland. Wir meinen, dass der Käsekonsum weiter leicht steigen wird.

medianet: Warum ist Käse so beliebt?
Braunshofer: Ich glaube, uns hilft der momentane Ernährungstrend. Als Gesellschaft reduzieren wir gerade den Fleischkonsum. Wir sind die erste und letzte Generation, die fast täglich Fleisch isst. Ich glaube, dass Käse da eine gute Alternative zu Fleisch ist. Für eine gesunde Ernährung braucht man auch hochwertiges Eiweiß. Das kann von Pflanzen kommen, das wird aber auch in Zukunft in großem Maß von Käse kommen. Käse schmeckt, es gibt eine breite Produktpalette.

medianet: Das Herkunftsland Österreich spielt für den Export eine große Rolle. Warum?
Braunshofer: Der Käse ist unser Exportprodukt Nummer eins. Wir sind als Produktionsland glaubwürdig, naturnah, haben Biokompetenz – die können wir zum Beispiel in Deutschland und Italien sehr gut vermitteln. Im vergangenen Jahr sind wir stark außerhalb Europas gewachsen, vor allem in China.

medianet: Die Nachfrage aus Asien ist 2016/17 gesunken. Hat sie sich wieder eingependelt?
Braunshofer: Ja. Die Chinesen wachsen als Volk und verändern ihre Ernährungsgewohnheiten: Sie essen sozusagen westlicher. Als Europäer wissen wir, dass unsere Ernährungsgewohnheiten per se nicht ungesund sind. Und wenn man von westlicher Ernährung spricht, dann denkt man auch an Käse. Also bringen wir den Chinesen eine Ernährung, die gesund ist.

medianet: Was den Milchmarkt in Österreich belastet hat, waren die Russland-Sanktionen 2014. Hat die Berglandmilch diese Schwierigkeit verdaut?
Braunshofer: Wir mussten uns andere Märkte suchen und haben sie im Fernen Osten gefunden. Wir sind aber auch in Südamerika und in den USA präsent. Auch Afrika geht gut. Die Weltwirtschaft funktioniert in Summe gut, das spüren wir.

medianet: Fehlt der Berglandmilch Russland als Absatzland?
Braunshofer: Natürlich würden wir gern nach Russland liefern. Wenn man so ein großes Land vor unserer Haustür hat, hätte man viele potenzielle Kunden. Die Frage bei Sanktionen ist immer: Wie sinnhaft ist eine politische Entscheidung, unter der Europa und die USA wirtschaftlich leiden? Somit sage ich: schade. Als Unternehmen konnten wir in der Vergangenheit durch unsere Russland-Exporte lernen, wie der russische Konsument tickt. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir irgendwann wieder nach Russland liefern werden. Es wird nur leider nicht morgen sein.

medianet: Welche Bilanz zieht die Berglandmilch für das Jahr 2017?
Braunshofer: Die Berglandmilchgruppe hat 1.500 Mitarbeiter. Unser Umsatz lag 2017 bei 910 Mio. Euro. Wir haben 2017 so viel Milch verarbeitet wie noch nie, nämlich 1,32 Mrd. Liter. Wir versuchen auch weiterhin, die gesamte Palette an Milch und Molkereiprodukten abzudecken.

medianet: Bei den Bauern gibt es zufriedene Gesichter. Lohnt es sich wieder, Milchbauer zu sein?
Braunshofer: Ob es sich für einen Bauer rechnet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir strengen uns maximal an, den Bauern einen vernünftigen Milchpreis zu zahlen, der ihm und seiner Familie ein Überleben sichert. Wichtig ist, dass auch die nächste Generation am Hof bleibt und die Milcherzeugung weiterführt. Wir dürfen nicht vergessen, dass ein Milchbauer 365 Tage im Jahr zwei Mal pro Tag seine Kühe melken und anwesend sein muss, um zu arbeiten.

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