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Zuckersüße Welt mit fetter Folgewirkung © Spar/Johannes Brunnbauer

Zucker raus-Allianz:Wolfgang Schwald (Rauch), Friedrich Hoppichler (Adipositasgesellschaft), Markus Metka (Österreichische Anti-Aging-Gesellschaft), Christian Datz (Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie), Thomas Szekeres (Österreichische Ärztekammer), Gerhard Drexel (Spar), Josef Braunshofer (Berglandmilch).

© Spar/Johannes Brunnbauer

Zucker raus-Allianz:Wolfgang Schwald (Rauch), Friedrich Hoppichler (Adipositasgesellschaft), Markus Metka (Österreichische Anti-Aging-Gesellschaft), Christian Datz (Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie), Thomas Szekeres (Österreichische Ärztekammer), Gerhard Drexel (Spar), Josef Braunshofer (Berglandmilch).

christian novacek 12.04.2019

Zuckersüße Welt mit fetter Folgewirkung

Weil es um die Gesundheit der Österreicher geht: Händler Spar gründet die „Allianz gegen zu viel Zucker”.

••• Von Christian Novacek

Zuckerreduktion passiert nicht von selbst”, sagt Spar-Vorstandsvorsitzender Gerhard Drexel. „Wir brauchen vielmehr dringend effiziente Maßnahmen. Es muss gehandelt werden, um die Überzuckerung unserer Gesellschaft einzudämmen.” Und auch Markus Metka, Gynäkologe und Präsident der österreichischen Anti-Aging-Gesellschaft, mahnt: „In den letzten fünf Minuten der Menschheitsgeschichte haben wir verlernt, uns bewusst, gesund und richtig zu ernähren.”33,4 kg Zucker in Rohform, in verarbeiteten Lebensmitteln oder Getränken nehmen Herr und Frau Österreicher jährlich zu sich – das ist viel zu viel!

Daraus resultiert mit mehr oder minder direktem Hebel: 2,1 Personen in Österreich haben ein Problem mit ihrem Körpergewicht, jedes dritte Kind ist heute fettleibig. 28% der Konsumenten essen täglich Süßigkeiten, 60% der Kinder trinken täglich Limonade. Wissenschaftlich beobachtet wurde, dass, je mehr Zucker in Speisen und Getränken zugesetzt ist, umso mehr infolge der BMI (Body-Mass-Index) im Bevölkerungsdurchschnitt steigt.

Süßstoff statt Zucker?

Was tut daher die Industrie? Sie verwendet Süßstoffe anstatt Zucker, was, so meint jedenfalls Drexel, ein gefährlicher, weil mitunter ebenso wenn nicht noch schädlicherer Holzweg ist. Die einzig richtige Conclusio muss daher lauten: Keine Süßstoffe und weniger Zucker.

Warum diese nicht ganz frische Erkenntnis reichlich verspätet ins Allgemeinwissen sickert, hat laut Drexel seinen Grund in einer sehr starken Zuckerlobby. Dieser sei es in der Vergangenheit gut gelungen, das Fett für die Fettleibigkeit zur Verantwortung zu ziehen. Zucker blieb außen vor – und mäanderte in Gefilde, wo er gar nicht heimisch sein sollte. „Fettsucht sollte eigentlich Zuckersucht heißen”, ist Drexel überzeugt.
Der Spar-Chef reagiert auf die Volkskrankheit zum einen mit einer aktuellen ‚Allianz gegen zu viel Zucker'. Die Allianzpartner sind: die Österreichische Ärztekammer, die Österreichische Adipositasgesellschaft, das Vorsorgemedizinische Institut Sipcan, die Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie, die Österreichische Anti-Aging-Gesellschaft sowie Rauch Fruchtsäfte, Berglandmilch und natürlich Spar selbst.

Eigenmarken initiativ

Zum anderen setzt der Händler mit Sitz in Salzburg Taten, indem er bei den Eigenmarken ein effizientes Zuckerreduktionsprogramm fährt. „Wir haben diese Initiative 2017 begonnen”, berichtet Drexel unter Verweis auf die Vorgabe, bis 2020 satte 1.000 t Zucker bei den Eigenmarken einzusparen; bis dato (Stand April) sind es 575 t. „Ich bin sicher”, folgert Drexel, „dass wir unser Ziel bereits zum Jahreswechsel realisieren können.”

In der Metapher hören sich die Mengenvorgaben besonders krass an, denn 575 t entsprechen 155 Mio. Stück Würfelzucker, denen der Weg durch den menschlichen Körper verweigert wurde. Die Reduktion erfolgt sowohl unter völligem Verzicht auf die Beigabe von Süßstoffen, ist aber gleichzeitig wohldosiert, sodass ein sanft schleichender Zuckerentzug möglich dünkt. „Wir reduzieren schrittweise”, bestätigt Drexel und stellt einen Vorteil der Reduktion heraus, der aufs erste Ansinnen nicht heraussticht: „Durch die Reduktion wird der Geschmack besser, weil man die anderen Ingredienzien besser herausschmeckt.” Markante Zuckerreduktionen gab es etwa beim Spar-Ketchup; die Spar vital-Cornflakes kommen im Gegensatz zum Produkt des Marktführers ohne Zucker aus.

Fettleber durch Zucker

Weniger gschmackig sind die Folgen von zu viel Zucker am Speiseplan. Denn Zucker macht nicht nur dick. Auch die primäre Assoziation mit Zuckerkrankheit (Diabetes = Altern im Zeitraffer) steht nicht für sich allein. „Große Zuckermengen auf dem Speiseplan können die sogenannte Nicht-alkoholische Fettleber­erkrankung (NAFLD) verursachen”, warnt Christian Datz von der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie. Dabei handle es sich um die weltweit häufigste Lebererkrankung. Sie kann zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen. Apropos Häufigkeit: Datz schätzt, dass bereits 30 bis 40% der EU-Bürger eine nicht alkoholische Fettleber ihr Eigen nennen. Andererseits gilt: Eine Zuckerreduktion um 20% kann bereits eine Vielzahl dieser Erkrankungen verhindern, ist Datz überzeugt.

Industrie macht mit

Die effektive Komponente der Zuckerallianz bezieht sich naturgemäß nicht nur auf Spar Eigenmarken – seitens Industrie sind Berglandmilch und Fruchtsafthersteller Rauch mit auf Verschlankungskur.

„Milch ist ein gesundes Lebensmittel. Wir bei Berglandmilch sehen es deshalb als unsere Verpflichtung, beim Thema Zuckerreduktion bei Milchprodukten Vorreiter zu sein. Ohne den Geschmack zu beeinträchtigen oder Süßstoffe und Aromen zuzusetzen, konnten wir den Gehalt von zugesetztem Zucker bei unseren Produkten bereits signifikant reduzieren”, zieht Josef Braunshofer, Generaldirektor von Berglandmilch, eine erste erfreuliche Bilanz.

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