TECHNOLOGY
Cloud-Computing mit inter­nationalen Standards
CHRIS HADERER 10.04.2015

Cloud-Computing mit inter­nationalen Standards

EuroCloud Europe Die boomende Cloud-Computing-Technologie soll nun mit weltweit gültigen Standards normiert werden

Für das Jahr 2016 werden bereits erste Normen für die virtuelle Datenspeicherung in der Wolke erwartet.

Tobias Höllwarth, Vorstand von EuroCloud Austria und Vizepräsident von EuroCloud Europe, freut sich auf Cloud-Standards.

Frankfurt/Wien. Immer mehr Unternehmen setzen auf Cloud Computing. 70 Prozent der deutschen Firmen haben ihre Daten zumindest teilweise in einer virtuellen Wolke gespeichert. Bei der Auswahl einer geeigneten Lösung achten die Unternehmen insbesondere auf Informationssicherheit, Compliance sowie Serverstandort und die Vertrauenswürdigkeit des Anbieters. Das ist das Kernergebnis der Expertenbefragung „Cloud Governance in Deutschland” von PwC. „Cloud Computing entwickelt sich zunehmend zum Standard in deutschen Unternehmen”, kommentiert Markus Vehlow, Partner bei PwC. „Immer mehr Firmen speichern ihre Daten zumindest teilweise in einer Cloud. Wenn die Entscheidung für die virtuelle Wolke gefallen ist, bleibt die große Mehrheit der Unternehmen der Cloud treu. Nur wenige Unternehmen holen ihre Daten und Anwendungen zurück.”

Auch aktuelle IDC-Zahlen sprechen für diesen Trend: Bis 2018 sollen sich demnach die weltweiten Ausgaben für Cloud Services auf 127,5 Mrd. US-Dollar (ca. 116,06 Mrd. €) mehr als verdoppeln – eine Prognose, die auch die Politik euphorisiert. So geht die Europäische Kommission in einer Potenzialabschätzung davon aus, dass bis 2020 in der Union allein durch Cloud Computing 3,8 Mio. Arbeitsplätze entstehen.

Zusammenspiel der Kräfte

Was allerdings bislang fehlte, sind globale Standards für das Cloud Computing – und diese sollen nun geschaffen werden. Die internationalen Normungsorganisation ISO und IEC (Bereich Elektrotechnik) haben gemeinsam das Gremium ISO/IEC JTC 1/SC 38 „Cloud Computing and Distributed Platforms” eingerichtet. Experten aus 34 Nationen beteiligen sich dabei am Standardisierungsprozess, darunter die USA, China, Japan, Russland, Korea, Indien, Deutschland und Österreich – 58 weitere Staaten haben Beobachterstatus. „Der ‚Nexus of Forces' – das Zusammenspiel der IT-Kräfte Social, Mobile, Information und Cloud – werden ebenso große Auswirkungen haben wie die Erfindung der Dampfmaschine”, sagt Tobias Höllwarth, Vorstand von EuroCloud Austria und Vizepräsident von EuroCloud Europe. „Die kommenden Transformationen werden Privatleben, Wirtschaft und Verwaltungen gleichermaßen verändern. Kleine und mittelgroße Unternehmen bekommen durch Cloud Computing Zugang zu vormals kapitalintensiven Enterprise-Lösungen, und Start-ups mit dem richtigen Business Case können dadurch in kürzester Zeit zu Global Playern aufsteigen.”

Standardisierung hilft

Damit das Zusammenspiel der verschiedenen Parteien auch perfekt funktionieren kann, braucht es klare Rahmenbedingungen. Und die werden aktuell in dem Subkomitee ISO/IEC JTC 1/SC 38 verhandelt. „Die Standardisierung hilft hier, weil der Kunde nur eine Frage stellt: Ist das Cloud Service gut genug für mich?” sagt Tobias Höllwarth. „Eine zufriedenstellende Antwort ist einigermaßen komplex. Hat doch bereits die Arbeitsgruppe zu den Cloud-Serviceverträgen unter anderem Fragen nach Anbietern, Vertragsinhalten, Compliance, Login-Prozeduren oder der Handhabung von Securityprozessen zu klären. Und das in einer Form, die Staatsgrenzen, Kulturkreise und heterogene Rechtsauffassungen überwinden muss.” Dennoch ist Höllwarth zuversichtlich, dass bereits 2016 der erste Standard – jener zu den Service Level Agreements für Cloud Computing – vorliegen wird. Bis es allerdings tatsächlich so weit ist, stehen den Cloud-Experten noch viele Diskussionen bevor.

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