CAREER NETWORK
Die „Einserschmähs” in der Betriebskriminalität © Bota/BMD

Roland Beranek, Leiter der BMD Akademie, ist Experte für Digitalisierung im Rechnungswesen.

© Bota/BMD

Roland Beranek, Leiter der BMD Akademie, ist Experte für Digitalisierung im Rechnungswesen.

Redaktion 15.10.2021

Die „Einserschmähs” in der Betriebskriminalität

Bestechlichkeit, Untreue und Betrug sind nicht auf die Politik beschränkt. Wie Sie Ihr Unternehmen schützen.

••• Von Sabine Bretschneider

WIEN. Sie sitzen nicht in geparkten Autos und beschatten mutmaßlich untreue Ehegatten. Die meisten Privatdetektive beschäftigen sich mit Betriebskriminalität und beobachten in Verdacht geratene Mitarbeiter von Unternehmen.

Betrug und Untreue betreffen nur die anderen? In der Realität kommt Betriebskriminalität sehr häufig vor. Etwa 40% der Unternehmen machen damit irgendwann einmal Bekanntschaft. Studien gehen davon aus, dass nur zehn Prozent der Fälle aufgedeckt werden – und es davon wiederum nur bei zehn Prozent zu einer Schadenswiedergutmachung kommt.

„Nicht blauäugig sein”

Der Finanzexperte Roland Beranek, Leiter der BMD Akademie, ist Experte für Digitalisierung im Rechnungswesen – und für Betriebskriminalität. „Die Unternehmen sollten nicht blauäugig sein” warnt er.

In den heimischen Klein- und Mittelunternehmen gebe es wenig Bewusstsein dafür. Oft ist es die Hausbank, die sich wegen Unregelmäßigkeiten meldet und damit den Stein ins Rollen bringt. „Die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse der Unternehmer sind oft sehr überschaubar”, sagt Beranek.
Sein Merksatz für all jene, die präventiv gegen Betriebskriminalität aktiv werden wollen: „Lass einen Buchhalter nicht allein ans Geld. Entweder er bucht oder er zahlt, aber nicht beides.” Buchhalter haben im Unternehmen eine Vertrauensposition. Das berge Gefahren – und grenzenloses Vertrauen „hat im Rechnungswesen oder überall dort, wo es um Geld geht, nichts verloren”.

Gelegenheit macht Diebe

Allerdings sind es nur in etwa 25% der Fälle tatsächlich die Buchhalter, die den Schritt auf die falsche Seite machen. „Die restlichen 75 Prozent stammen aus anderen Bereichen wie etwa Marketing, Verkauf und Einkauf”, so Beranek.

Gelegenheit macht Diebe, die Taktik ist oft banal. „Der Einserschmäh ist das Erfinden von Rechnungen, die eingereicht werden, oder bestehende Rechnungen werden kopiert und nochmals eingereicht, mit einer anderen Kontonummer.” Auch Kleinbeträge summieren sich mit der Zeit. Wenn der Schaden auffliegt, ist es oft zu spät. Die meisten Unternehmen verzichten auf eine Anzeige. Meist ist beim Schuldigen ohnehin nichts mehr zu holen – „und keiner gibt gern zu, dass er betrogen worden ist”.
Die Gefahr lauert nicht im Wilden Westen der Cyberkriminalität, sondern im eigenen Unternehmen. Bei Bewerbungen sollte man auf drei Eigenschaften achten”, zitiert Beranek den Investmentguru Warren Buffett, „Integrität, Intelligenz und Energie: Stellt niemanden an, der nur Intelligenz und Energie mitbringt. Das wird euch umbringen. Wenn jemand keine Integrität hat, dann ist es sogar besser, er ist faul und dumm.” In der Realität würden viele Arbeitgeber sich heutzutage aber nicht einmal den Lebenslauf der Jobbewerber genauer ansehen, meint er.

Präventionsmaßnahmen

Wie man der Betriebskriminalität vorbeugen könne? Oft reichen einfache Mittel, meint Beranek, ein Eingangsrechnungskontrollsystem etwa, mit einem festgelegten Genehmigungsworkflow: „Einer reicht ein, ein anderer gibt frei. Ein Vieraugenprinzip ist schnell eingerichtet.” Wer im System einen neuen Kunden anlegt, möge „zuerst einmal die Firma überprüfen – existiert sie überhaupt?” Auch die Ankündigung, Rechnungen stichprobenartig zu kontrollieren, wirke oft schon Wunder hinsichtlich der Prävention. Beranek: „Vertrauen ist gut, Kontrolle geht schneller!” Digitale Buchhaltungssysteme übernehmen diese permanente Kontrolle ohnehin.

Tipp: Benford’s Law

Immer noch eine Art Geheimtipp ist das „Benfordsche Gesetz”, das sich auch in kleinen Unternehmen als Schnellüberprüfungstool eignet: Durch diesen mathematischen Nachweis wird schlicht belegt, dass es auf der Welt mehr Zahlen mit niedrigen Anfangsziffern gibt, als solche mit einer hohen ersten Zahl. Die berechnete mathematische Häufigkeit der jeweiligen Ziffer ergibt eine sehr prägnante Verteilungskurve und lässt sich auch am Beispiel eines Bankkontos, von Tageseinnahmen oder auch an den einer Buchführung zugrunde liegenden Zahlen anwenden. Mittels einer Software, auch per Excel, lassen sich in kürzester Zeit Datenmengen auf Stimmigkeit prüfen. Auf Nummer sicher gehe man mit der entsprechenden Prüfsoftware von BMD.

BMD mit Hauptsitz in Steyr entwickelt Business-Software-Lösungen für Unternehmen, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Im Rahmen der BMD Akademie gibt es ein umfassendes Aus- und Weiterbildungs­angebot. Roland Beranek hält regelmäßig Vorträge zum Thema Betriebskriminalität.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL