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Die Teilzeitfalle © APA/dpa/Peter Kneffel
© APA/dpa/Peter Kneffel

Redaktion 23.02.2018

Die Teilzeitfalle

Österreichs Frauen sind (fast) Europameisterinnen bei der Teilzeit. Viele tun’s nicht freiwillig.

WIEN/LINZ. Das Arbeitsmarktservice (AMS) verweist auf einen steigenden Anteil von Frauen mit Teilzeitjobs und relativ geringer Arbeitszeit. „In vielen Fällen wird Teilzeit nach der Karenz zur Karrierefalle schlechthin”, warnt AMS-Vorstand Johannes Kopf.

Mit einer Teilzeitquote bei Frauen von 47% liegt Österreich im EU-Vergleich hinter den Niederlanden auf Platz zwei. Hierzulande wird immer kürzer gearbeitet – mit gravierenden finanziellen Folgen, wie eine Wifo-Studie im Auftrag des AMS zeigt. Durch die Pensionsreform (40 statt 29 Arbeitsjahre zählen zur Pensions-Berechnung) wirkt sich für den späteren Pensionsbezug erheblich aus, wie lange die Erwerbsunterbrechung dauert und ob danach 20 oder 30 Wochenstunden gearbeitet wird.

Kürzungen bei der Pension

Die Kindererziehung wird zwar für die Pensionsberechnung angerechnet, aber schon eine zweijährige Teilzeit senkt die Durchschnittspension um 1,7 bis 2,1%. Wird mehr als die Hälfte des Erwerbslebens 20 Stunden gearbeitet, fällt das Lebenseinkommen gegenüber 30 Stunden um bis zu 30% geringer aus.

Kinderbetreuung, das belegt auch eine aktuelle Studie im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich, ist für mehr als die Hälfte der Personen in Teilzeitarbeit das Motiv für ihre Entscheidung und damit der häufigste Beweggrund.
Ausgangspunkt für die Motivsuche der Arbeiterkammer ist der auf mehr als das Doppelte gestiegene Anteil der Teilzeitbeschäftigten an den unselbstständig Erwerbstätigen von 13,5% im Jahr 1996 auf 28,9% im Jahr 2016: Von 3,7 Mio. Erwerbstätigen waren rund 1,1 Mio. in Teilzeit. Die weitaus meisten sind weiblich: 860.000 Frauen stehen 200.000 Männern gegenüber.
Für mehr als die Hälfte der Befragten – mehrheitlich Frauen – ist die Betreuung von Kindern ein wichtiges Motiv. Auffallend ist, dass in Oberösterreich 65% diesen Grund als sehr und eher wichtig nennen, in Wien aber nur 41%. Mit rund einem Drittel der Nennungen zweithäufigstes – für Frauen und Männer gleichermaßen wichtiges – Motiv, sich für Teilzeit zu entscheiden, ist, mehr Zeit für persönliche Interessen zu haben.

Fehlende Kinderbetreuung

Anders als bei der Kinderbetreuung werden in dieser Gruppe aber sehr häufig zusätzliche Gründe genannt: meist Stress in der Arbeit sowie Gesundheit, aber auch berufsbezogene Weiterbildung. „Es schaut so aus, als wäre der Trend zur Teilzeit in Wahrheit vielfach eine Flucht in die Teilzeit – aufgrund fehlender oder unpassender Kinderbetreuungsangebote sowie aufgrund überbordender Arbeitsverdichtung in den Betrieben. Da muss man ansetzen”, so AK OÖ-Präsident Johann Kalliauer.

Etwas weniger als ein Drittel der Teilzeitbeschäftigten würde lieber Vollzeit arbeiten, findet aber keine entsprechende Stelle. Befragte, die wegen der Kinderbetreuung Teilzeit gewählt haben, betrachten ihren Status tendenziell als zeitlich befristet. Und jene, die Teilzeit aus Mangel an Alternativen zustimmen mussten, sehen in der Teilzeit meist eine Notlösung. Die Studie wurde vom Institut für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (ISW) durchgeführt. (red)

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