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Die Klima-Stakeholder und andere Hindernisse © Land Salzburg/Franz Wieser
© Land Salzburg/Franz Wieser

Redaktion 03.09.2021

Die Klima-Stakeholder und andere Hindernisse

Klimawandel: Analyse von Insight Austria identifiziert die relevanten Player, treibende und bremsende Kräfte.

••• Von Sabine Bretschneider

WIEN. Die Gletscher schmelzen, das Wetter wird zunehmend unberechenbar. Der richtige Umgang mit dem Klimawandel brennt derzeit auch den Tourismusverantwortlichen unter den Nägeln. Die zunehmende Hitze verschlechtert die Schneelage in vielen Regionen und gefährdet damit vor allem den Wintertourismus, aber auch der Sommertourismus leidet unter Extremwetterlagen wie Hitze oder Starkregen.

„Die vorhergesagten Dramen und Entwicklungen, Pandemie und Klimakatastrophe, das ist kein medialer Hype mehr”, konstatierte Sophie Karmasin, ehemalige Familienministerin und Geschäftsführerin von Karmasin Research&Identity, Ende Juli in einem Gespräch mit medianet. „Das kommt jetzt wirklich in unserem Leben an – man denke an das Hochwasser in Deutschland und auch in Österreich.”
Jetzt müsse man darüber nachdenken, wie man den Klimawandel richtig kommuniziert, „damit es bei den Menschen ankommt” – und diese Diskussion werde noch sehr lange geführt werden müssen. Ein Patentrezept gebe es nicht, wohl aber maßgeschneiderte Konzepte.

„Treiber” und „Bremser”

Einen Schritt hin zur Entwicklung dieser Konzepte präsentierten vergangene Woche Forscherinnen von Insight Austria am Institut für Höhere Studien (IHS) – Karmasin ist Mitbegründerin dieses Kompetenzzentrums – und Karmasin Research&Identity. Sie bildeten auf einer „Klimawandel-Landkarte” alle relevanten Stakeholder und Institutionen Öster­reichs ab und identifizierten treibende und bremsende Kräfte sowie deren Machtpotenzial.

Ideologie und Psychologie

89 Experten wurden gebeten, 43 Player aus den vier Segmenten Staat, Privatwirtschaft, Vereine und NGOs bezüglich deren Macht und Interesses am Thema einzuschätzen und dazu eine Wertung zwischen 1 und 5 abzugeben. Das Prinzip: „Stakeholder bewerten Stakeholder”. Im Fokus standen die Maßnahmen „Umstieg auf erneuerbare Energien” und „öffentlichen Verkehr fördern”.

Anschließend wurden diese Einschätzungen mit einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung abgeglichen. Dies bilde, so Karmasin, „das Spiel der Mächte und Kräfte ab, und zeigt deutlich, wo man den Hebel ansetzen kann, um etwas zu bewirken”.
Aus der Analyse dieser Bewertungen ergab sich ein Konflikt beim Thema Klimaschutz, bei dem „sich die Lager aufteilen”, so Katharina Gangl, Sprecherin für Verhaltensökonomie am IHS. Unter Hinweis auf die Regierungsparteien Grüne und ÖVP hielt sie fest, dass man nicht zu dem Punkt komme, wo man echte Schritte machen könne, „so lange nur ideologisch gestritten wird”.
Bei den Grünen ist das Interesse bei der Öffi-Frage und bei den Erneuerbaren am stärksten ausgeprägt. Die ÖVP wurde – gemeinsam mit dem Finanzministerium – in der Gruppe „Zweifelnde mit Macht” verortet. Die Landeshauptleute- bzw. Landesräte kamen zusammen mit den Medien in eine neutrale bzw. indifferente Gruppe.
Klimapolitische Themen werden in Österreich grundsätzlich sehr polarisierend diskutiert. Sowohl Experten als auch Bevölkerung nehmen weniger sachliche Argumente denn Konflikte der Weltanschauungen als Barrieren gegen klimapolitische Maßnahmen wahr.
„Es geht im Kampf gegen den Klimawandel um psychologische Barrieren. Gerade verhaltensökonomische Instrumente hätten großes Potenzial, hier etwas zu bewegen – derzeit fehlt dafür aber noch das Bewusstsein”, meint Karmasin.

Medien als „Moderatoren”

Als wichtige „Moderatoren”, die das Umdenken in der Klimadebatte vorantreiben können, nehmen die Experten die Medien, die wissenschaftlichen Einrichtungen und die Politik, insbesondere auf Landesebene, in die Pflicht. Die Klimakrise könne nur ganzheitlich unter Einbezug aller Beteiligten angegangen werden.

Infos zur Klimawandel-Landkarte: https://irihs.ihs.ac.at/id/eprint/5895/1/2021-abstiens-gangl-karmasin-et-al-die-klimawandel-landkarte-oesterreichs.pdf

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