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Handel: „Krisenresilienter Versorger und Jobmotor” © Katharina Schiffl
© Katharina Schiffl

Redaktion 05.05.2023

Handel: „Krisenresilienter Versorger und Jobmotor”

Rainer Will findet als Geschäftsführer des Handelsverbandes lobende Worte für die Branche und mahnende wegen Cybercrime und Richtung Politik.

Die letzten Jahre waren für den Handel alles andere als einfach und trotzdem konnte die Handelsbranche die Menschen mit dem Notwendigsten und noch mehr versorgen. Nach den Monaten mit starker Inflation scheint diese sich einzubremsen – somit ist Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will „vorsichtig optimistisch”. Es gibt Lob, aber auch mahnende Worte in mehrere Richtungen.


medianet:
Während der Pandemie hat sich der Handel als Teil der kritischen Infrastruktur als verlässlicher Partner präsentiert. Die Herausforderungen – Stichwort Teuerung – reißen nicht ab. Wenn der Euro öfters umgedreht werden muss, welchen Faktor spielt die Verlässlichkeit des heimischen Handels für die Menschen punkto Sicherheit?
Rainer Will: Wir hatten in den letzten drei Jahren mit multiplen Krisen zu kämpfen, haben eine Pandemie mit fünf Lockdowns überstanden, in der sich der heimische Handel als krisenresilienter Nahversorger und Jobmotor bewährt hat. Unsere Branche hat die Erstausstattung der gesamten Bevölkerung mit Schutzmasken gestemmt und eine heraus­ragende Rolle beim Aufbau des Corona-Testsystems gespielt. Auch nach der Pandemie werden die Herausforderungen nicht weniger. Aktuell beschäftigt uns die Teuerung sowie der flächendeckende Personalmangel, und die globale Klimakrise wirft ebenfalls ihre Schatten. Dennoch hat sich die Stimmung der Händler ebenso wie das Konsumentenvertrauen seit ­Oktober 2022 kontinuierlich verbessert. Die Inflation hat sich zuletzt im März auf 9,2 Prozent etwas eingebremst. Die Kon­sumstimmung hellt sich auf, und unser wirtschaftlicher Ausblick für das zweite Quartal ist vorsichtig optimistisch. Sicherheit im Handel wird in Österreich großgeschrieben, das zeigt etwa der gemein­same Blackout-Vorsorge-Plan des heimischen Lebensmittel­handels.

medianet:
Gerade in unsicheren Zeiten sind on- und offline verlockende Angebote zu finden. Welchen Vorteil bietet der heimische Handel aus Ihrer Sicht gegenüber (internationalen) Glücksrittern?
Will: Wer in österreichischen Geschäften einkauft, kann sich darauf verlassen, dass unsere hohen Standards insbesondere beim Umwelt- und Klimaschutz, der Gentechnikfreiheit sowie beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln eingehalten werden. Heimische Händler zahlen gute Löhne, vielfach mit Überzahlung und auch Zuschläge, für die hierzulande Steuern entrichtet werden, und damit tragen wir entscheidend zum Gemeinwohl bei – Stichwort Fairer Handel. In Österreich gekauft, ist also richtig gut gekauft, sichert 625.000 Arbeitsplätze, stärkt unsere Wirtschaft, schützt die Umwelt und sorgt für ein gutes Gewissen.

medianet:
Die Kontrolle im Web gestaltet sich schwierig, von 2020 auf 2021 sind Cybercrime-Delikte stark angestiegen. Nun sind die Covid-Einschränkungen vorbei, beobachten Sie hierbei einen Rückgang?
Will: Im Gegenteil, Cybercrime und Bestellbetrug verzeichnen weiterhin enorme Zuwachsraten. Laut unserer aktuellen Sicherheitsstudie wurden bereits 64 Prozent aller heimischen Onlinehändler Opfer von Betrug, ein Drittel sogar mehrmals.

medianet:
Vor welchen Sicherheitsherausforderungen steht die Handelsbranche aktuell?
Will: Im stationären Handel zählen der klassische Ladendiebstahl, die Bezahlung mit Falschgeld sowie Vandalismus im Shop zu den größten Sicherheitsherausforderungen. Im Digitalbereich treten vor allem Phishing, Malware-Angriffe, Ransomware sowie Cyber-Erpressung immer häufiger auf. Beunruhigend ist auch, dass bereits ein Viertel aller Konsumenten Opfer von Fake-Webshops geworden sind.

medianet:
Aus Brüssel kommen immer wieder Vorgaben, welche die Kundenbeziehung verändern, mit der Intention, rechtliche Sicherheit zu geben. Wie beurteilt der Handel diese Entwicklung?
Will: Solange die Vorgaben praxistauglich und unbürokratisch umsetzbar sind, begrüßen wir das. Beispielsweise hat die EU auf die Gefahr von Online-Betrug reagiert und in ihrer Zahlungsdienste-Richtlinie (PSD2) die 2-Faktor-Authentifizierung (2FA) vorgeschrieben. Diese besagt, dass sich Kunden bei Bezahlung über das Internet zumindest doppelt identifizieren müssen – etwa mittels Passwort und SMS TAN. Seit März 2021 können Online-Zahlungen nur noch mit Starker Kundenauthentifizierung durchgeführt werden. Das sorgt für mehr Sicherheit im europäischen Zahlungsverkehr. Der Handelsverband unterstützt Webshops mit dem eCommerce Gütesiegel Trustmark Austria sowie im Rahmen der Initiative ‚Gemeinsam sicher einkaufen' mit kompetenten Partnern dabei, sich stationär wie digital optimal aufzustellen.

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