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Die Angst ist zurück an den Aktienmärkten © AFP/Nicolas Asfouri
© AFP/Nicolas Asfouri

Redaktion 16.02.2018

Die Angst ist zurück an den Aktienmärkten

Der Montags-Crash zeigt, wie blank die Nerven der Investoren liegen. Experten geben aber Entwarnung.

••• Von Reinhard Krémer

Der 5. Februar 2018, der als der „dunkelgraue” Montag in die Geschichte eingehen wird, kostete die Börsen ihre Jahresgewinne. Und er rüttelte die Investoren weltweit unsanft aus ihrem wohligen Dämmerschlaf in ihrer weichen, warmen, mit Renditen gepolsterten Kuhle, die sie über zehn Jahre verlässlich eingesammelt hatten. Der Tag und jene, die darauf folgten, zeigten: Die Börse ist keine Einbahnstraße.

Die Kennzahlen passen

Und wenn schon die bloße Angst vor Zinserhöhungen ein derartiges Gemetzel auslösen kann – was wird dann erst passieren, wenn die Zinsen tatsächlich auf breiter Front steigen? Doch noch regiert die Vernunft, und die Wirtschaftszahlen sind in Ordnung, meint auch das Erste Group-Expertenteam von Gudrun Egger: „Gute Fundamentaldaten sollten sich durchsetzen. Denn BIP-Wachstum und Unternehmensgewinnsteigerungen sind gut und werden auch für 2018 sehr gut prognostiziert. Die jüngste Marktabschwächung ist somit nicht durch eine Eintrübung des Ausblicks von Fundamentaldaten ausgelöst worden. Vielmehr dürfte es sich an den Aktienmärkten um eine Zwischenkorrektur handeln, die vorwiegend technisch – nach dem rasanten Kursanstieg zu Jahresbeginn – begründet ist.”

Auch Österreich kann ausgezeichnete Zahlen vorweisen: Der breit aufgestellte Wirtschaftsaufschwung in Österreich wird sich laut Nationalbank im ersten Halbjahr 2018 fortsetzen. Die konjunkturelle Dynamik sei ungebrochen. Der Aufschwung werde sowohl von der Inlands- als auch der Auslandsnachfrage getragen, teilte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) mit. Für das erste Quartal ist die Notenbank nun etwas optimistischer als zuletzt.

Prognosen angehoben

Die Wachstumsprognose für die ersten drei Monate wurde um 0,1 Prozentpunkte nach oben revidiert. Nun wird ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,8 Prozent erwartet. Für das zweite Quartal prognostiziert die OeNB ebenfalls ein BIP-Plus von 0,8 Prozent. Das Wachstum werde damit etwa doppelt so stark sein wie im Durchschnitt seit dem Jahr 2000.

Aufwecksignal

Und so ist der Gouverneur der (OeNB), Ewald Nowotny, wegen der Börsenkurs-Rückgänge nicht alarmiert. Es handle sich „bei dem Rückschlag eher um eine Normalisierung, ein vernünftiges Aufwecksignal”, so Nowotny.

Er gibt Entwarnung für die Zinsfront: In Europa werde es im Gegensatz zu den USA aber noch etwas dauern, bis der Leitzins – wie seitens der Fed schon geschehen – angehoben werde. Jedenfalls würden Gründe dafür sprechen, so Nowotny, der auch Mitglied des EZB-Rats ist.

Zinsen bleiben heuer niedrig

Ausgeschlossen ist laut Nowotny, dass die Leitzinsen in Europa noch heuer angehoben werden. Es fehle noch an der passenden Inflationsrate von rund zwei Prozent in der Eurozone, diese liegt bei 1,4%. „Daher ist die EZB derzeit noch auf der vorsichtigen Seite”, so der OeNB-Gouverneur. Bei Zinsen von länger laufenden Staatsanleihen sehe man aber bereits jetzt, dass jene anziehen würden.

Auf Regen folgt Sonnenschein

Nach den Eintrübungen an den Börsen könnte es also sonnig weitergehen, meint Egger: „Der Ausblick der USA-Aktien für das Jahr 2018 ist gut. Derzeit wird ein Gewinnwachstum von 16,1 Prozent erwartet. Die Umsätze sollten um 6,4 Prozent steigen. Das erwartete KGV in zwölf Monaten beträgt 18,0x. Das historische KGV der letzten zwölf ­Monate beträgt derzeit 23,8x”.

Die Bewertung des US-Aktienindex S&P 500 nach der Kennzahl KGV/Wachstumsrate (PEG-Ratio; Anm.) ist zuletzt deutlich gesunken, so das Erste Group Research.

Alte Welt ist teurer

Auch in Europa sieht´s nicht schlecht aus, so Egger: „Die PEG-Ratio beträgt für den Stoxx 600 1,46. Diese Bewertungskennzahl, die neben dem Kurs/Gewinnverhältnis auch das erwartete Gewinnwachstum berücksichtigt, ist demnach für europäische Aktien wesentlich höher als für US-Aktien, nämlich 1,07 beim S&P 500.” (Die PEG-Ratio weist also auf eine Überbewertung der europäischen Aktien hin – je höher die Zahl, desto teurer; Anm.)

Positiv, aber schwächer

„Europäische Aktien weisen zwar eine positive Gewinnperspektive auf – Stoxx 600 2018e: +9,6 Prozent –, für den S&P 500 beträgt die vom Konsensus erwartete Wachstumsrate 16,1 Prozent. Dieser Unterschied ist signifikant”, sagt das Erste Group Research.

Wegen der graduellen Anpassungen der Notenbanken sind nun aber Perioden mit höherer Volatilität an den Finanzmärkten zu erwarten, meinen die Experten der Erste Group.

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