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Ein „Change” ist gut für die Banken © PantherMedia/Sepy

Die Folgen der Pandemie sind weitestgehend überwunden, und der europäische Bankenmarkt befindet sich im Aufschwung.

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Die Folgen der Pandemie sind weitestgehend überwunden, und der europäische Bankenmarkt befindet sich im Aufschwung.

Redaktion 30.09.2022

Ein „Change” ist gut für die Banken

Transformationsprogramme europäischer Banken zeigen positive Wirkung – neue Herausforderungen.

••• Von Reinhard Krémer

WIEN. Viele positive Zahlen aus dem Bankensektor: Nach einem herausfordernden Jahr 2020 stieg die Rentabilität europäischer Banken bereits im zweiten Corona-geprägten Jahr 2021 wieder deutlich an, so die Ergebnisse der Studie der Management- und Technologieberatung BearingPoint, in der insgesamt 122 europäische Banken im Zeitraum 2013 bis 2021 analysiert und bewertet wurden.

Eigenkapitalrendite steigt …

Mit einer Entwicklung der Eigenkapitalrentabilität (RoE) auf 8,1% wird der Vorkrisenwert von 6,1% im Jahr 2019 weit übertroffen.

Während die Cost-Income-Ratio (CIR) ihren niedrigsten Stand seit 2013 aufweist, hat sich der Wert für Earnings Before Taxes (EBT) mehr als verdoppelt. Vor dem Hintergrund aktueller, geopolitischer Entwicklungen ist an entspanntes Zurücklehnen jedoch nicht zu denken. Der Wettbewerbsdruck bleibt ungebrochen, neue regulatorische ESG-Anforderungen müssen berücksichtigt und kosteneffizient umgesetzt sowie skaliert werden.

… Risikovorsorge sinkt …

Der positive Trend der Kosteneffizienz europäischer Banken beruht auf einem Zusammenspiel vielfältiger Faktoren. Auffällig ist ein starker Rückgang der Risikovorsorge in fast allen EU-Regionen, nicht zuletzt da die befürchtete Insolvenzwelle ausblieb.

Nachdem die Risikovorsorge 2020 ein Rekordhoch erreichte (121,4% gegenüber dem Wert von 2019), fiel der Wert im Jahr 2021 insgesamt um 70,7% und damit unter das Vorkrisenniveau. Bei den Erträgen zeigt sich eine substanzielle Steigerung des Provisionsertrags und der Handelserträge durch die Abkehr von kostenlosen Produkten und Services sowie die Durchsetzung von höheren Gebühren, unter anderem im Zahlungsverkehr, bei der Kontoführung oder im Wertpapierhandel.

… die Performer werden mehr

Waren in 2020 lediglich ein Viertel der Banken Performer (arbeiten effizient; Cost-Income-Ratio < 55%), so sind es in 2021 bereits ein Drittel aller in der Studie analysierten Banken.

Beim Vergleich von Performern und Laggards (hinken bei Effizienz nach) zeichnet sich ab, dass die Geschäftsfelder nicht maßgeblicher Erfolgsfaktor einer Bank sind, sondern vielmehr eine effiziente Wertschöpfungskette bei klarer Fokussierung. Digitalisierung steht dabei spätestens seit den Erfahrungen in der Pandemie unmissverständlich im Mittelpunkt.

Spezialisten sind effizienter

Spezialbanken – darunter fallen Banken mit einem eingeschränkten Leistungsangebot in Bezug auf bestimmte Kundenkreise, Geschäftsfelder und Finanzprodukte – agieren durchschnittlich effizienter.

Ihr CIR-Vorsprung vergrößert sich im Vergleich zu Universalbanken zunehmend und wird maßgeblich durch die Fokussierung auf das Kerngeschäft, eine Verschlankung der Strukturen und die Implementierung passgenauer Lösungen in Verwaltung und IT erreicht.
Dank ihrer konsequenten Ausrichtung und aufgebauten Expertise können Spezialbanken ihre Zielgruppen bedarfsgerechter bedienen, innovative Produkte gestalten und sich so einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz aufbauen.
Anhand der Eigenkapitalrendite zeigt sich jedoch auch, dass Spezialbanken grundsätzlich krisenanfälliger sind. So lässt sich der starke Einbruch im Jahr 2020 damit erklären, dass ein Großteil der Spezialbanken ihren Schwerpunkt auf das Retail Banking gelegt haben, ein starker Verlierer der Coronakrise.

Über BearingPoint

BearingPoint ist eine unabhängige Management- und Technologieberatung mit europäischen Wurzeln und globaler Reichweite.

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