Jetzt geht’s mit Power kräftig aufwärts
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FINANCENET Redaktion 23.04.2021

Jetzt geht’s mit Power kräftig aufwärts

Die Indikatoren zeigen nach oben – ein heftiger Aufschwung steht nach Krisenende vor der Tür.

••• Von Reinhard Krémer

Der Leidensdruck, den das – der Ausdruck löst wohl Würgereflexe aus – „neuartige Coronavirus” ausgelöst hat, ist kaum in Worte zu fassen. Eingesperrt sein in endlosen Lockdowns, gepaart mit Unsicherheit, wie’s weitergeht, rüttelt am Nervenkostüm aller. Beschreiben lässt sich der Schaden an der Wirtschaft mit harten Zahlen: Die österreichische Wirtschaftsleistung lag Anfang April rund vier Prozent unter dem Vorkrisenniveau, meldet die Oesterreichische Nationalbank (OeNB).

Am geringsten war die BIP-Lücke in der Osterwoche vom 29. März bis zum 4. April: Da lag sie „nur” bei –3,5%. Schwer getroffen ist auch die heimische Exportwirtschaft: Im Vorjahr waren die österreichischen Güterexporte um nominell 7,5% eingebrochen; auch der Arbeitsmarkt geriet dadurch naturgemäß unter Druck.

Weniger Arbeitslose

In Österreich lag die Arbeitslosenquote laut Eurostat-Definition Anfang April bei 5,7%. Damit liegt die Alpenrepublik aber deutlich besser als der EU-Schnitt: Die pendelt nämlich um knapp mehr als acht Prozent. Die höchsten Erwerbslosenquoten wiesen Griechenland (15,8% im Dezember 2020) und Spanien (16,1%) auf.

Aber die Lebenszeichen der Wirtschaft zeigen, wie viel Kraft allen Unbillen zum Trotz in den Betrieben steckt: Allein in der Kalenderwoche 12/2021 vom 22. bis zum 28. März 2021 lag das österreichische BIP um satte 28,1% über dem Niveau des realen BIP in der entsprechenden Woche des Vorjahres; in der darauffolgenden Karwoche lag die wirtschaftliche Aktivität nach vorläufiger Berechnung des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) um rund 23% über dem Niveau der Vorjahreswoche.

Die Post geht ab

Was man daraus schließen kann? Sobald die Geschäfte wieder öffnen dürfen, geht die Post ab – und zwar ordentlich. Weitere Zahlen lassen auch den Tourismusbereich Morgenluft schnuppern.

Die Ergebnisse der Tourismusanalyse des Wifo für die ersten vier Monate des Winters 2020/21 (November 2020 bis Februar 2021; Anm.) zeigen zwar einen Totalausfall (Ankünfte –95,1%, Nächtigungen sowie Einnahmen – nominell wie real – jeweils –93,5%). Für die gesamte Wintersaison werden Einbußen von über 90% erwartet. Doch eine Umfrage der Österreich Werbung und der Deutschen Reiseanalyse geben Hoffnung auf klingelnde Kassen: Für den Zeitraum von April bis September 2021 geben nämlich 80% der Österreicher und 68% der Deutschen an, sicher oder höchstwahrscheinlich verreisen zu wollen.

Rückkehr der Urlauber

Knapp jeder zweite österreichische Reiseplaner möchte dabei im Inland bleiben. Von den deutschen Planern wollen sieben Prozent in Österreich Urlaub machen; dies liegt deutlich über dem gewohnten Anteil von rund vier Prozent.

Und die Aussichten sind fürwahr auch global günstig: Angetrieben von einem Aufschwung in den Industrieländern, soll die Weltwirtschaft 2021 um sechs Prozent und im kommenden Jahr um 4,4% wachsen, wie der Internationale Währungsfonds (IWF) berechnete.

Wachstum kommt zurück

Für Österreichs Wirtschaft sieht der IWF nach dem Corona-Einbruch im vorigen Jahr für heuer ein Wachstum um 3,5% und für 2022 um vier Prozent.

Das Wifo ging im März für 2021 von 2,3 bzw. 1,5% BIP-Plus in einem Öffnungs- und einem Lockdownszenario aus und erwartete 4,3 bzw. 4,7% Expansion in den beiden Szenarien für 2022. Das Institut für Höhere Studien (IHS) rechnete für heuer mit 2,6% realem Zuwachs und für 2022 mit 4,3% Plus.
Zum Vergleich: Für Deutschland rechnet der IWF 2021 mit einem Wachstum von 3,6% und 2022 dann von 3,4%.

Bei Aktien Positives erwartet

Was bedeutet das für die Kapitalmärkte? „Die internationalen Aktienmärkte konnten in den letzten Wochen weiter zulegen, wobei die Gewinnerliste von zyklischeren Marktsegmenten angeführt wird”, sagt Ingrid Szeiler, Chief Investment Ofiicer (CIO) der Raiffeisen KAG. Trotz negativer Nachrichten zum Thema Covid-19 – weitere Mutationen – stützen die positiven Gewinnrevisionen sowie der Impffortschritt etwa in den USA, so Szeiler.

„Kurzfristig mahnen verschiedene Stimmungsindikatoren zwar zu Vorsicht – überkaufte Marktsituation –, wir erwarten aber auf Sicht der nächsten Monate ein unverändert positives Kapitalmarktumfeld”, sagt die Raiffeisen-CIO. Der deutsche Leitindex DAX wie der US-Index Dow Jones haben in den letzten zwölf Monaten bereits um mehr als 40% zugelegt, der heimische ATX brachte es sogar auf 46%.

Schwellenländer schwächer …

Auch bei Aktien aus den Emerging Markets ist in den letzten Wochen ein klarer Trend gut erkennbar: Aktien des Wachstumsbereichs („Growth”; Anm.) sind im aktuellen Marktumfeld steigender Renditen deutlich mehr belastet als Aktien aus dem Wertebereich („Value”), meint Ingrid Szeiler.

„Nachdem mittlerweile Aktien aus dem Wachstumsbereich im Emerging Markets-Index sehr hoch gewichtet sind, kommt es aktuell zu einer Underperformance von Emerging Markets vs. entwickelte Märkte. Der Aufholprozess zyklischer aufgestellter Regionen setzt sich fort”, sagt die Raiffeisen-Expertin.

… und Gold glänzt matter

Die Rohstoffmärkte zeigen sich in diesem Jahr weiterhin von der starken Seite, so die CIO. „Nach den Anstiegen im Jänner und Februar befinden sich zuletzt vor allem die Energiepreise in einer Konsolidierungsphase. In diesem sehr freundlichen Markt­umfeld, mit steigenden Renditen in den USA, präsentierten sich Edelmetalle hingegen schwächer.”

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