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Österreichs Unternehmer in der Champions-League © Panthermedia.net/Marko Volkmar
© Panthermedia.net/Marko Volkmar

Redaktion 11.01.2019

Österreichs Unternehmer in der Champions-League

Seit 2007 wurden 480.000 neue Stellen geschaffen – nur in Deutschland und Frankreich waren es mehr.

••• Von Reinhard Krémer

Der heimische Arbeitsmarkt war lange Zeit das Sorgenkind der Staatslenker. Besonders in den Krisenjahren wollte sich keine Erholung einstellen. Das hat sich während der letzten Jahre deutlich geändert; und auch für das Jahr 2019 zeichnet sich eine positive Entwicklung ab, wie eine Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY zeigt.

Weiter aufwärts

Trotz der wirtschaftlichen Abkühlung zum Jahresende und eingetrübter Konjunkturaussichten wird der Beschäftigungsaufbau in Österreich auch im kommenden Jahr weitergehen, und die Arbeitslosigkeit wird weiter sinken. Seit 2007 wurden hierzulande 480.000 neue Stellen geschaffen – nur in Deutschland und Frankreich waren es in diesem Zeitraum mehr.

Nachdem 2018 in Österreich rund 81.000 neue Stellen geschaffen wurden, dürften im Jahr 2019 laut EY-Prognose weitere 50.000 Jobs entstehen – das sind die siebtmeisten innerhalb der Eurozone. Die Erwerbslosenquote nach ILO-Standard soll weiter zurückgehen – von 4,9 auf 4,6%.
Trotz dieses weiteren Rückgangs rutscht Österreich damit von Platz vier hinter Deutschland, den Niederlanden und Malta auf fünf im Eurozonen-Ranking zurück, da der Rückgang der Erwerbslosenquote in Litauen auf 4,4% noch stärker ausfällt als hierzulande.
Auch in der Eurozone geht es 2019 weiter aufwärts, wenngleich auch hier der Aufwind auf dem Arbeitsmarkt etwas an Schwung verliert: Nachdem die Beschäftigung 2018 um fast 2,2 Mio. stieg, soll die Zahl der Beschäftigten 2019 um 1,5 Mio. wachsen und eurozonenweit – wie auch in Österreich – einen neuen Rekordwert erreichen.
Trotz der zuletzt fast flächendeckend positiven Entwicklung auf den regionalen Arbeitsmärkten ist die Arbeitslosigkeit in den meisten Eurozonenländern nach wie vor größer als vor Ausbruch der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Nur sechs Eurozonen-Länder – darunter vor allem Deutschland, die Slowakei, Portugal und Belgien – weisen heute eine niedrigere Erwerbslosenquote auf als im Vorkrisenjahr 2007.

Österreich wieder stabil

Österreich ist das einzige Land, in dem die Erwerbslosenquote mittlerweile genau auf dem Niveau des Vorkrisenjahrs 2007 liegt. In zwölf Ländern liegt die Quote zum Teil erheblich über dem Niveau von 2007 – vor allem in Griechenland, Spanien, Zypern und Italien.

„Die gute Wirtschaftsentwicklung der vergangenen Jahre hat zwar europaweit Millionen Menschen in Lohn und Brot gebracht – allerdings fiel der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt regional sehr unterschiedlich aus”, sagt Gunther Reimoser, Country Managing Partner EY Österreich. „Während beispielsweise der österreichische oder insbesondere der deutsche Arbeitsmarkt einen deutlichen Aufschwung erleben und Spanien große Erfolge beim Abbau der – allerdings nach wie vor hohen – Arbeitslosigkeit vorweisen kann, geht es in Italien und Frankreich nur in kleinen Schritten voran.”

Fachkräfte dringend gesucht

Immerhin konnte Österreich in den letzten Jahren ein gutes Wachstum vorlegen, das sich auch in einem erheblichen Stellenzuwachs niederschlägt. Im Jahr 2019 wird die Beschäftigung in Österreich nach EY-Prognose um 1% auf rund 4,54 Mio. steigen.

Der österreichische Job-Boom wird aber nach Reimosers Einschätzung nicht dauerhaft anhalten: „Ein Teil der heutigen Jobs kann und wird automatisiert werden und damit verloren gehen. Gleichzeitig wird die Zahl der hochqualifizierten Jobs steigen, was nach neuen Ausbildungswegen und erheblichen Investitionen in eine bessere Bildung verlangt.”

Insel der Seligen

Während die Zahl der Erwerbslosen in Österreich seit 2007 nur um 19.000 gestiegen ist, gab es in vielen anderen Ländern der Eurozone eine deutlich negative Entwicklung.

Kaschiert wird diese durch die positive 10-Jahres-Bilanz vom wirtschaftlichen Zugpferd Deutschland. Während die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland seit 2007 um gut zwei Mio. gesunken ist, ist sie in den übrigen Eurozonen-Ländern um 3,7 Mio. gestiegen.
Immerhin: Die Erwerbslosenquote in der gesamten Eurozone sank 2018 kräftig von 9,1 auf 8,2% – und für das kommende Jahr geht die EY-Prognose von einem weiteren Rückgang auf 7,8% aus.

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