HEALTH ECONOMY
Besserer Zugang zu Arzneimitteln © Yonhap News Agency/EPA/picturedesk.com

Pharmaunternehmen und die WHO wollen die medizinische Versorgung in ärmeren Ländern verbessern.

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Pharmaunternehmen und die WHO wollen die medizinische Versorgung in ärmeren Ländern verbessern.

02.10.2015

Besserer Zugang zu Arzneimitteln

Novartis startet ein Hilfsprogramm für arme Länder mit nur einem Dollar Behandlungskosten pro Monat. Auch die EU setzt einen Schritt in Richtung Generika für arme Länder.

••• Von Ina Karin Schriebl

ZÜRICH/BRÜSSEL. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis will Medikamente gegen weitverbreitete Krankheiten in armen Ländern leichter zugänglich machen. Das Unternehmen bietet in einem ersten Schritt Regierungen und Nichtregierungs-Organisationen in Kenia, Äthiopien und Vietnam insgesamt 15 seiner Arzneien zur Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Atemwegs­erkrankungen und Brustkrebs an.

Die Behandlung soll einen Dollar pro Monat kosten, wie Novartis kürzlich mitteilte. Abhängig von den Erfahrungen in diesen drei Staaten, soll das Programm in den nächsten Jahren dann auf 30 Länder ausgedehnt werden.

Die WHO ist in Sorge

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat jüngst die Sorge geäußert, ob Entwicklungsländer die Zunahme chronischer Erkrankungen meistern können. Nach Daten der UN-Organisation sind 85% der vorzeitigen Todesfälle aufgrund dieser Krankheiten in diesen Ländern zu finden. Vier Fünftel der weltweit 350 Mio. Diabetespatienten lebten in armen Staaten, und es wird geschätzt, dass in vielen afrikanischen Ländern mehr als 40% der Erwachsenen einen zu hohen Blutdruck haben.

Die Pharmabranche wird wegen hoher Arzneimittelpreise seit Längerem kritisiert. Praktisch alle Hersteller haben Programme, bei denen sie Präparate in den Entwicklungsländern zum Teil deutlich günstiger abgeben als in den Industriestaaten. So arbeitet der Schweizer Roche-Konzern seit Anfang dieses Jahres mit der Regierung der Elfenbeinküste zusammen, um Frauen aus armen Verhältnissen den Zugang zu Brustkrebs- und Hepatitis-Behandlungen zu ermöglichen. Für Aufsehen sorgte vor sechs Jahren GlaxoSmithKline, als der britische Pharmariese die Preise für viele seiner Arzneien in armen Ländern drastisch senkte.
Novartis will nun in den drei Start-Ländern Erfahrung sammeln, bevor das Programm auf andere Staaten ausgedehnt wird. Kenia, Äthiopien und Vietnam seien ausgewählt worden, weil es dort verschiedene große Hürden beim Zugang zu Medikamenten gebe, wie der Konzern aus Basel erklärte.

Die EU will ebenfalls helfen

Auch die EU-Kommission will die medizinische Versorgung in armen Ländern erleichtern. Daher werde der Aufruf der ärmsten Entwicklungsländer für eine unbefristete Ausnahme von den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zum geistigen Eigentum bei Pharmaprodukten unterstützt, erklärte die Kommission in Brüssel.

Dadurch könnten die betroffenen Länder Generika unabhängig von bestehenden Patenten importieren und im Land herstellen, beispielsweise wenn es keine Lizenzen gibt, hieß es weiter. Zudem können Hersteller von Generika und internationale Hilfsprogramme zum Beispiel Medikamente gegen HIV-Erkrankungen verteilen, ohne wegen Patentverletzungen Prozesse befürchten zu müssen. Generika sind Nachahmungen von bereits unter einem Markennamen gehandelten Medikamenten mit denselben Wirkstoffen; sie sind in der Regel billiger als die Originalpräparate.
Die EU-Regierungen müssen nun über den Vorschlag der Kommission entscheiden. Stimmen sie zu, kann die EU-Kommission bei der WTO in Genf auf die Ausnahme­regelung dringen. Das Thema steht laut Kommission am 15. und 16. Oktober bei der WTO auf der ­Tagesordnung.
Die ärmsten Entwicklungsländer sind in der Gruppe der „least developed countries” zusammengefasst: 50 Länder, die meisten in Afrika.

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