INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Neues Warnsystem für Dickhäuter auf Schiene © Bernard Gruppe
© Bernard Gruppe

Redaktion 19.11.2021

Neues Warnsystem für Dickhäuter auf Schiene

Wenn die Anforderungen an Sensortechnologien gar spezifisch sind, kann die Lösung aus Tirol kommen.

••• Von Helga Krémer

HALL IN TIROL/KARLSRUHE/BANGLADESCH. Im südasiatischen Staat Bangladesch wird aktuell eine Zugstrecke von Dohazari (südlich von Chittagong) bis Cox’s Bazar errichtet – und stellt die Projektverantwortlichen vor ein besonders dickhäutiges Problem: Aus Studien ist hervorgegangen, dass es entlang dieser Strecke mehrere Überquerungsstellen von Elefanten gibt.

Erkenne den Elefanten!

Unter dem englischen Projektnamen „Pilot testing of sensor system for prevention of elephant train collisions” wurde bei der Bernard Gruppe nachgefragt, durch Vor-Ort-Testung verschiedener Sensortechnologien das bestmögliche System zu finden, um eine Technologie einzuführen, die Elefanten identifiziert und eine direkte Kommunikation mit dem Zug ermöglicht. Das familiengeführte Ingeniersunternehmen mit Sitz in Hall in Tirol wurde schließlich mit der Entwicklung einer Technologie zum Schutz von querenden Elefanten und der Zuggäste beauftragt.

Jenny und Nanda als Tester

Nun galt es, das bestmögliche Frühwarnsystem mittels moderner Sensortechnologien zu entwickeln. Zahlreiche Vorarbeiten und Testungen von optischen, thermischen, akustischen und seismischen Geräten waren durchzuführen – mit dem Ziel, das optimale System aus Kameras und Sensoren für die Überwachung der Zugstrecke in Bang­ladesch zu erforschen.

Aufgrund der Reisebeschränkungen im Zuge der Covid-Pandemie waren groß angelegte Tests vor Ort nicht möglich. Also musste das Projektteam unter der Leitung von Stefan Schwarz, Geschäftsführer der Bernard Technologies, einem Unternehmen der Bernard Gruppe, improvisieren. Getestet wurde daher im Zoo von Karlsruhe mit den beiden Elefantenweibchen Jenny und Nanda.
„Wir haben Kameras an einem Karbonmast im Elefantengehege montiert, der eine flexible Änderung der Kamerawinkel und der Messposition ermöglichte. Getestet wurde von drei verschiedenen Positionen aus, um so viele Testdaten wie möglich zu erhalten. Optische Kameras können Elefanten mittels Künstlicher Intelligenz automatisch erkennen, thermische Kameras erkennen hingegen nur Objekte, die sich bewegen. Deshalb gilt es, für diesen Auftrag den optimalen Mix herauszufiltern”, erklärt Schwarz.
„Die Tests verliefen sehr gut, um die grundlegende Funktionalität zu testen. Ich bin überzeugt, dass wir bald vor Ort in Bangladesch die Daten weiter verfeinern können. Wir sind sehr dankbar, dass uns der Zoo in Karlsruhe diese Tests ermöglicht hat.”

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