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Geehrte Querdenker © O&O Baukunst

Die „MQ Libelle” auf dem Dach des Wiener Leopold Museums wurde Anfang September 2020 eröffnet und gilt schon jetzt als die schönste Kulturterrasse Wiens.

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Die „MQ Libelle” auf dem Dach des Wiener Leopold Museums wurde Anfang September 2020 eröffnet und gilt schon jetzt als die schönste Kulturterrasse Wiens.

Markus Schraml 02.10.2020

Geehrte Querdenker

Architektur und Kunst Großer Österreichischer Staatspreis für Laurids und Manfred Ortner.

Wien. Der Karriereweg von Laurids und Manfred Ortner führte von frühen radikalen Ideen hin zu einer Reihe von Prestige-Bauten, die das Brüderpaar zu geschätzten Mitgliedern des Establishments werden ließ. Die beiden aus Linz stammenden Kreativen, der eine Architekt, der andere studierter Maler und Kunsterzieher, sorgten ab Ende der 1960er-Jahre mit künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum für Aufsehen. Mit der Architekten- und Künstlergruppe Haus-Rucker-Co, die Laurids Ortner gemeinsam mit Günter Zamp Kelp und Klaus Pinter gegründet hatte, waren sie international erfolgreich und mehrfach bei der documenta in Kassel vertreten. Mitte der 80er- Jahre stieg das Interesse der Brüder für konkrete Bauaufgaben und mündete schließlich in der Gründung des Architekturbüros Ortner & Ortner.

Ein Jahrzehnt MQ

Dass sie bereits 1990 den Auftrag für den Bau des Wiener MuseumsQuartiers erhielten, war ein Glücksfall und gleichzeitig eine nervenaufreibende Bürde. Denn in typisch österreichischer Manier war das Projekt von massiven Protesten, öffentlichen Debatten und aufwendigen Umplanungen sowie Re-Dimensionierungen begleitet. Die Eröffnung mit den von Ortner & Ortner verwirklichten Gebäuden Leopold Museum, Kunsthalle Wien und mumok fand erst 2001 statt. Dreißig Jahre später legten sie noch einmal Hand an und schufen mit der Libelle einen neuen Ort der Kommunikation auf dem Dach des Leopold Museum. Der Pavillon wurde von den Architekten als Gesamtkunstwerk angelegt, inklusive dauerhaften Interventionen der Künstlerinnen Brigitte Kowanz und Eva Schlegel.

Architektur ohne Anbiedern

2020 erhielten Laurids und Manfred Ortner mit dem Großen Österreichischen Staatspreis die höchste Auszeichnung der Republik für ein künstlerisch herausragendes Lebenswerk. Die Preisträger der mit 30.000 € dotierten Anerkennung werden von den 21 Mitgliedern des Österreichischen Kunstsenats nominiert. „Ortner & Ortner Baukunst steht für eine Architektur, die – ohne Anbiederung – mit der Stadt, mit der historischen Substanz kommuniziert und auf ideologische Einschreibungen und Umbruchsituationen reagiert”, formuliert der Kunstsenat in seiner Begründung.

Der große Bogen

Obwohl sich das Aufgabenfeld von Ortner & Ortner im Laufe der Jahre stark erweiterte, blieben doch Kulturbauten wichtig. Mit Büros in Wien, Köln und Berlin setzte O&O Baukunst so bedeutende Institutionen wie die Sächsische Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek in Dresden oder das Schiffbau – Theater und Kulturzentrum in Zürich um. Im Büro-Sektor gestalteten sie etwa das ARD-Hauptstadtstudio in Berlin, den Wiener City Tower oder das Bene Headoffice in Waidhofen. „Der Vorteil von meinem Bruder Manfred und mir ist, dass wir über ein recht breites, nuanciertes Repertoire von weit auseinanderliegenden Erfahrungen verfügen, sodass wir immer wieder einen sehr großen Bogen schlagen können”, sagt Laurids Ortner. Wichtig sei auch, dass man an ein Projekt zunächst mit möglichst viel Freiheit herangehe, bevor all die Zwänge hinzukommen, die man befriedigen müsse, so Ortner.

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