LUXURY BRANDS & RETAIL
Im Zeichen des Hexagons © Studio Thomas Feichtner (4)

Die Bank „Sphere” ist ein Masterpiece, eigens für eine Installation im Dorotheum anlässlich der Vienna Design Week 2018 entworfen.

© Studio Thomas Feichtner (4)

Die Bank „Sphere” ist ein Masterpiece, eigens für eine Installation im Dorotheum anlässlich der Vienna Design Week 2018 entworfen.

Robert Haidinger 25.10.2018

Im Zeichen des Hexagons

Interview Thomas Feichtner über das Potenzial von Zäunen und den wahren Luxus.

Wien. Ein neu restauriertes Haus im 7. Wiener Bezirk, ein gut aufgeräumtes Büro und Regale voller Prototypen aus dem 3D-Plotter. Hier arbeitet einer der kreativsten Köpfe der heimischen Designszene und tüftelt an Office-Möbeln und Kleinserien.

medianet:
Sie arbeiten bereits wiederholt mit einer steirischen Firma für Zauntechnik zusammen, auch beim grafisch anmutenden Octagon Chair. Bloß: Kann man auf Zaunmaterialien sitzen wollen?
Thomas Feichtner: Die Kooperation mit H+S Zauntechnik wurde von Creative Industries Styria initiiert, was sehr spannend war. Der Hersteller ist ja ein klassischer Zaunbauer, der Drähte miteinander verschweißt. Auf Einladung hatte auch ich einen Zaun entwickelt, aus miteinander versetzten, laser-gecutteten Blechen, die einen Moiré-Effekt erzielen. Aber ich hatte auch eine Bitte an den Hersteller: Ich tauche in eure Welt der Zäune ein, und ihr taucht in meine Welt des Designs ein und wagt ein gemeinsames Experiment. Das Resultat war der Octagon Chair: Eine Art Freischwinger, bestehend aus unterschiedlichen, punkt­verschweißten Drähten, die gegenseitig überlappen. Worum es mir ging: Die Fertigungsmethode eines Zaunspezialisten in ein Designobjekt zu übersetzen.

medianet:
Die Geschichte ging ja noch weiter: Mit dem nachfolgenden Projekt der Bank Sphere. Hier scheinen Vorder- und Hintergrund fast zu verschwimmen. Die Bank aus Edelstahl-Gitter erinnert an 3-D-Simulationen, wie man sie vom Bildschirmschoner kennt. Darf man sie als Brücke zwischen analoger und digitaler Welt verstehen?
Feichtner: Genau das ist es. Ich wollte das Zweidimensionale, das für Zäune typisch ist, in Dreidimensionalität verwandeln.

medianet:
Wobei Sie auf die geometrische Figur des Hexagons stießen.
Feichtner: Ja. Aber bei Sphere wurde das Hexagon gepresst, gezogen, verzerrt. Kurz: Es kam in Bewegung. Man muss sich das wie einen Schwarm von Fischen oder Vögeln vorstellen. Das Resultat war ein dreidimensionaler Körper, wie man ihn normalerweise nur am Computer sieht. Sowohl ich als der Hersteller haben dabei Neuland betreten. Ich selbst wollte übrigens schon immer Drahtobjekte schaffen.

medianet:
Warum?
Feichtner: Draht ist einfach zu behandeln. Doch zugleich sind die Linien ideal, um komplexe Körper zu gestalten. Und: Draht steht zugleich unter Spannung, das ist eine weitere Dimension.

medianet:
Noch so ein drahtiges Thema: Thomas Feichtner und die Liebe zum Hexagon. Warum taucht es in Ihren Entwürfen immer wieder mal auf?
Feichtner: Mich interessiert es, komplexe Körper einfach zu beschreiben. Da bietet sich das Hexagon wahnsinnig gut an. Nicht von ungefähr kommt es vielfach in der Natur vor: Als Wassermolekül, in der Schneeflocke, in Bienenwaben. Die Winkel verhalten sich höchst angenehm zueinander.

medianet:
Blickt man auf Ihre Arbeiten, so spielen geometrische Formen und Faltungen eine dominante Rolle. Da drängt sich eine Frage auf: Wie viel Kante verträgt gutes Design, nicht zuletzt im Hinblick auf Ergonomie und Bequemlichkeit?
Feichtner: Das eine schließt das andere ja nicht aus. Schlimm finde ich, wenn Dinge eine starke organische Anmutung haben, aber dann ihre ergonomischen Versprechen nicht halten. Umso schöner finde ich es, mitunter den gegenläufigen Weg zu gehen: Ein klares Objekt, das sich dann als überraschend ergonomisch entpuppt.

medianet:
Kommen wir von der Reduktion auf komplexe Linien zum Thema Opulenz und weiter zum Luxus. Herr Feichtner, sind Sie mit der Etymologie des Begriffs Luxus vertraut?
Feichtner: Nicht exakt.

medianet:
Dann helfe ich gern aus. Ursprünglich steht das lateinischen Wort für Liederlichkeit, Verschwendung, aber auch ‚üppige Fruchtbarkeit'. Das verwandte ‚Luxuria' bezeichnet gar eine der sieben Todsünden – nämlich Wollust. Haben Sie im Rahmen Ihrer Arbeit diese kalkulierte Überfülle kennengelernt?
Feichtner: Ehrlich gesagt, Luxus hat bei mir keine Priorität. Ich entwerfe zwar Gegenstände, die durchaus luxuriös wirken und mitunter viel Geld kosten können. Aber ich entwerfe nicht im Speziellen für jemanden, der primär in ein kostspieliges Objekt investieren möchte. Mein Fokus ist ein anderer: Sich in Zusammenarbeit mit einer Silbermanufaktur, noch dazu in einer Stadt wie Wien, als Designer einbringen zu dürfen, etwa mit einem Silberschmied in einer Werkstatt – das ist das wahre authentische Geschenk.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL