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Innovative Impulse für die Mechatronik-Ausbildung © Bosch
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05.02.2016

Innovative Impulse für die Mechatronik-Ausbildung

An der FH OÖ in Wels startet im Herbst das neue internationale Masterstudium „Automotive Mechatronics and Management”.

••• Von Paul Christian Jezek

Für die universitäre Landschaft Österreichs handelt es sich gleich aus mehreren Gründen um einen bedeutenden Schritt in die richtige Richtung: Der neue internationale Master-Studiengang „Automotive Mechatronics and Management” (AMM) mit Studienstart heuer im Herbst ist ein wichtiger Schritt, um qualifizierte Arbeitskräfte für die Betriebe der Fahrzeugindustrie auszubilden und zusätzliches Know-how für die Schlüsseltechnologien Mechatronik und Antriebstechnik zu gewinnen.

Erster dualer FH-Studiengang

Das viersemestrige Studium ist in seiner Kombination von Inhalt, Internationalisierung und Kooperation mit Unternehmen einzigartig in Österreich. „Es handelt sich um den ersten dualen FH-Studiengang in Oberösterreich”, erklärt Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich. „Die Studierenden sind im Regelfall bei einem Betrieb der Fahrzeugindustrie angestellt und lernen nicht ,nur’ an der FH, sondern auch in der Praxis, wie die Fahrzeugbranche ‚tickt’ und funktioniert. Durch diese praxisinte­grierende Ausbildung kommt es zu einer starken Bindung zwischen Student und Unternehmen und zu einer Win-win-Situation für Studierende und die Betriebe der Fahrzeugindustrie.”

Das praxisintegrierte Ausbildungskonzept ermöglicht es dabei insbesondere international agierenden Betrieben, Mitarbeiter von internationalen Standorten in Oberösterreich branchenspezifisch auszubilden und gleichzeitig besser im Unternehmen zu integrieren.

Masterstudium unter der Lupe

Der Studiengang fokussiert sich auf die Spezifika moderner mechatronischer Systeme für Fahrzeuge insbesondere in den Bereichen ­Sicherheits-, Regel- und Assistenzsysteme sowie Hybridisierung.

Zudem müssen von Unternehmen der Fahrzeugindustrie bei der Entwicklung mechatronischer Systeme spezifische Entwicklungsprozesse und Qualitätssysteme berücksichtigt bzw. angewandt werden, die ebenso einen Schwerpunkt des Studiengangs bilden.
Das Curriculum wurde als internationales Master-Studium konzipiert, bei dem sämtliche Lehrveranstaltungen in Englisch abgehalten werden. Dies garantiert den Absolventen einen leichteren Berufseinstieg in zumeist international agierenden Unternehmen der Fahrzeugindustrie und öffnet natürlich den Studiengang auch für internationale Studierende.
Eine Besonderheit des Studiengangs stellt die enge Zusammenarbeit des Studiengangs mit ausgewählten Unternehmen der Fahrzeugindustrie dar, wodurch eine hohe Berufspraxisorientierung erreicht wird. Diese Kooperation zielt insbesondere auf eine effektive und effiziente Verzahnung von Hochschulausbildung und betrieblicher Praxis ab und ermöglicht ein praxisintegrierendes Studium.
Mit führenden Unternehmen der Fahrzeugindustrie wie z.B. BMW, BRP Rotax, CNH, KTM, Miba, Pöttinger, Rosenbauer oder Wacker-Neuson werden Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen, um zu regeln, wie Studierende bereits während ihres Studiums einer fachspezifischen Teilzeitbeschäftigung in einem (Partner-)Unternehmen der Fahrzeugindustrie nachgehen können.
Im Wesentlichen besteht für Studierende die Möglichkeit, bei einem Partnerunternehmen für die Dauer von 18 Monaten (zweites bis viertes Semester) ein Beschäftigungsverhältnis einzugehen und in diesem Rahmen die Projekte Company Project (2. Semester), R&D-Project (3. Semester) sowie Master Thesis (4. Semester) basierend auf unternehmensrelevanten Aufgabenstellungen durchzuführen.
Die Rahmenbedingungen und der Umfang des Beschäftigungsverhältnisses werden individuell in einem bilateralen Rahmenvertrag zwischen Studierenden und Unternehmen definiert. Die Konzipierung als praxisintegrierendes duales Studienprogramm ist in dieser Form österreichweit einzigartig und soll vor allem die Kooperationsaktivitäten mit Unternehmen im Bereich der Lehre weiter intensivieren.

Die beruflichen Tätigkeitsfelder

Absolventen des Studiengangs werden in Unternehmen der Fahrzeugindustrie (Hersteller von Kraftfahrzeugen, Sonderfahrzeugen und Landmaschinen, Zuliefer- und Dienstleistungsunternehmen) im Regelfall folgende Tätigkeiten ausführen:
• Systemingenieur für mechatronische Systeme: Anforderungsmanagement, Systementwurf und -integration, Planung und Koordination der Prototypen­erstellung sowie Durchführung der Systemvalidierung.
• Qualitätsmanager: Hierbei liegt der Fokus in den Bereichen Qualitätsplanung und -steuerung sowie der Weiterentwicklung von Qualitätsmanagement-Systemen.
• Projektmanager bzw. -leiter: Projektplanung, Risikomanagement, Ressourcenplanung, F&E-Controlling und Koordination (internationaler) Entwicklerteams.

Das Kompetenzprofil

Die Inhalte des Studiengangs sind auf den Erwerb von fundierter Entwicklungskompetenz für mechatronische Fahrzeugsysteme ausgerichtet und beinhalten daher mehrheitlich technische Fächer. ­Begründet durch den großen Bedarf der heimischen Fahrzeugindustrie an interdisziplinär und international agierenden Technikern, werden im Studiengang darüber hinaus auch fachspezifische Managementkompetenzen vermittelt.

Die technischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen „Fahrzeugtechnik und Fahrzeugsysteme”, „Systementwicklung und -validierung” sowie „Automotives Qualitätsmanagement”. Ergänzt werden diese Schwerpunkte durch Inhalte zu den Themen Marktorientiertes Management, Innovation und Controlling, da diese für die nachhaltige Entwicklung neuer mechatronischer Produkte und Systeme von essenzieller Bedeutung sind.
Abgerundet wird das Programm durch die Vermittlung der für einen internationalen Studiengang wesentlichen Inhalte im Bereich Social Skills mit Schwerpunkt auf internationale Teams und Projektleitung.
Als fachliche Zugangsvoraussetzung für das FH-Masterstudium Automotive Mechatronics and Management gilt der Abschluss eines facheinschlägigen FH-Bachelorstudiums (z.B. Mechanical Engineering, Maschinenbau, Mechatronik) oder der Abschluss eines gleichwertigen, mindestens dreijährigen Studiums an einer anerkannten in- oder ausländischen postsekundä­ren Bildungseinrichtung.

Weiter geht’s mit Industrie 4.0

Die FH Oberösterreich arbeitet im Rahmen von fünf Forschungsplattformen fakultätsübergreifend an Zukunftsthemen für Oberösterreich. Durch Koordination und Vernetzung aller relevanten Fachbereiche wird ein reger Informationsaustausch zwischen den Fakultäten sowohl in der Forschung als auch bei Diplom- und Masterarbeiten ermöglicht. „Einen besonderen Fokus legen wir auf den Bereich Industrie 4.0”, sagt FH OÖ-Geschäftsführer Gerald Reisinger. „Um die Themenschwerpunkte rund um ‚Intelligente Produktion’ und ‚Industrie 4.0’ zu koordinieren und zu vernetzen, haben wir das Institut für Intelligente Produktion gegründet.”

Die Arbeitsschwerpunkte des Instituts für Intelligente Produktion gliedern sich in die drei Kernbereiche: 1. Verteilte Intelligenz und adaptive Produktionssysteme, 2. Virtualisierung: Modellierung, Simulation und Optimierung sowie 3. Advanced Manufacturing und Generative Fertigung.

Smart Factory Technologielabor

Ein aktuelles Projekt der FH OÖ im Bereich Industrie 4.0 ist das „Smart Factory Lab” mit dem Ziel, ein standortübergreifendes, vernetztes Technologielabor zur Entwicklung innovativer Technologien, Methoden und Konzepte für Intelligente Produktion entlang des Produktlebenszyklus zu entwickeln; in diesem Projekt wird mit der Firma Profactor zusammengearbeitet.

Weiters wird ein Antrag zur Errichtung einer Modellregion Industrie 4.0 in Oberösterreich erstellt – Partner sind hier u.a. die JKU und Business Upper Austria.
In einem 3D-Schnupperlabor werden ein Technik-Experimentierprogramm und ein Berufsorientierungsprogramm für Schüler entwickelt – und last but not least arbeitet die FH OÖ beim „Reife­gradmodell Industrie 4.0” mit Business Upper Austria zusammen, um den Ist- und Soll-Zustand eines Unternehmens in Bezug auf den Reifegrad Industrie 4.0 zu ermitteln. „Hier ist der Aufbau einer Benchmark-Datenbank geplant”, erklärt Reisinger.


Stefan Pierer, KTM

Ein Modell der Zukunft

Die Fahrzeugindustrie, egal ob in Form von Zuliefer- oder OEM-Betrieben, stellt eine der Wirtschafts-Kernkompetenzen Österreichs dar. Als einer von insgesamt zehn Kooperationspartnern des neuen, internationalen Masterstudiums, der in dieser Branche seit Jahrzehnten auf die Innovationskraft seiner Mitarbeiter vertraut, wissen wir, dass das richtige Personal – und insbesondere der richtige Nachwuchs – für die erfolgreiche Zukunft unserer Unternehmen von entscheidender Bedeutung ist. Mit dem richtungsweisenden dualen System, bei dem bis zu 20 ausgesuchte Master-Studenten paarweise auf die zehn den Studiengang unterstützenden Unternehmen aufgeteilt werden, stellen wir einerseits die praxisnahe und qualitativ hochwertige Ausbildung der jungen Menschen sicher, andererseits bekommen wir schon frühzeitig Zugriff auf die besten Talente.

Für die Studenten hat dieses System noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Sie werden angestellt und sind damit nicht nur versichert, sondern werden über alle vier Semester hindurch bezahlt – auch in ihren Ferien.  Zu guter Letzt sind wir als ­Industrievertreter besonders begeistert, dass dieser Master-Studiengang ein wirklich internationaler ist: Ein Teil der Lehrgangs-Teilnehmer wird aus dem Ausland kommen. Nicht zuletzt dank der mechatronischen Ausbildung unserer Mitarbeiter geht es mit einem Höchstmaß an Innovationen in die Zukunft!

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