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Harte Nuss: Kakaogeschäft © Panthermedia.net/Markus Mainka
© Panthermedia.net/Markus Mainka

13.11.2015

Harte Nuss: Kakaogeschäft

Schwankende Kakaopreise stellen Schokoladeproduzenten vor immer größere Herausforderungen.

WIEN. Voriges Jahr verdrückten die Österreicher 21,2 Mio. kg Schokolade, was den heimischen Gesamtmarkt (für Tafelschokolade) um 3,5% auf 176 Mio. € steigen ließ. Und dennoch haben es die Schokoladeproduzenten derzeit nicht leicht: Schwankende und hohe Rohstoffpreise bereiten ihnen Kopfzerbrechen. Die Planbarkeit der Geschäfte wird dadurch erschwert, sodass dem einen oder anderen schon mal der Appetit vergehen könnte. Da einige angesichts solcher Entwicklungen die Preise für die Endprodukte anheben werden, trifft es unmittelbar den Konsumenten; Lindt hat es schon vorgemacht, andere werden aller Voraussicht nach noch folgen. Man habe 2015 „punktuelle Preisanpassungen auf selektierte Produkte” vorgenommen, sagt eine Sprecherin. Effiziente Arbeitsabläufe und eine erhöhte Produktion ließen die Schweizer die Preiserhöhung an den Rohstoffmärkten damit „teilweise verkraften”.

Schwieriges Marktumfeld

Dass Agrar-Rohstoffe schon immer Schwankungen unterliegen, ist nicht neu. Das Angebot hängt naturgemäß von der Ernte ab und ist u.a. aufgrund von Wetterbedingungen kaum planbar. Da die Verträge der Schokoladefabrikanten mit dem Einzelhandel längerfristig sind, können sie die erhöhten Einkaufspreise für beispielsweise Kakao daher nicht direkt, sondern zeitverzögert an die Verbraucher weitergeben. Wie groß die Schwankungen sein können, wurde zuletzt im Juli deutlich, als der Kakaopreis auf ein Vier-Jahres-Hoch kletterte und im August leicht zurückging. Einer, der das deutlich zu spüren bekam, ist Barry Callebaut – der weltgrößte Kakao- und Schokoladehersteller, der viele große Nahrungsmittelkonzerne und Hersteller mit Schokolade und Kakaoprodukten beliefert. Vor wenigen Tagen stutzte der Konzern seine Wachstumsprognose: Neo-Vorstandschef Antoine de Saint-Affrique erwartet sich für die nächsten drei Jahre mittelfristig ein Absatzwachstum von vier bis sechs statt bisher sechs bis acht Prozent pro Jahr. „Das Marktumfeld bleibt herausfordernd”, kommentiert der seit Oktober amtierende Saint-Affrique. Der Konzern hatte Ende September zwar weitere Marktanteile dazugewonnen, dennoch wird der Jahresgewinn (bedingt durch Währungsverluste, höhere Kakaopreise und Steuern) niedriger ausfallen. Der Überschuss hätte sich mit 220,7 Mio. € gegenüber dem Vorjahr um 5,9% verringert.

Um sich von den Preisschwankungen unabhängiger zu machen, kaufen manche Produzenten ihre eigenen Plantagen – einer von ihnen ist Ritter Sport, der in eine eigene Plantage in Nicaragua investiert, von der 2017 erstmals geerntet werden soll. „Trotz hoher Kosten können sich Firmen dadurch unabhängiger vom volatilen Weltmarkt machen”, so Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Eine andere Option nutzt Lindt: Der Schweizer Maitre Chocolatier investierte in den vergangenen Jahren verstärkt in die Beratung der Bauern in den Produktionsländern, die geschult werden, den Ertrag zu steigern und Pilzbefall zu verhindern.

Folgen der Verarmung

Kakaobauern treffen die schwankenden Kakaopreise am heftigsten, da ihnen das Geld fehlt, um in die Felder zu investieren und ausreichende Mengen Dünger und Pestizide zu kaufen oder Erntehelfer zu bezahlen. Viele von ihnen würden dann Kinder beschäftigen. Ende September wurde in Kalifornien eine Sammelklage gegen Nestlé, Hershey’s und Mars eingereicht: Die Produzenten würden nicht offenlegen, dass ihre Kakao-Lieferanten an der Elfenbeinküste auf Kinderarbeit setzten, hieß es auf der Kanzlei-Homepage. (jp)

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