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Mit Salami und Paprika wachsen © Panthermedia.netMazzzur

Das ungarische Parlamentsgebäude in Budapest: Nicht alles, was darin beschlossen wird, dient der ungarischen Wirtschaft.

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Das ungarische Parlamentsgebäude in Budapest: Nicht alles, was darin beschlossen wird, dient der ungarischen Wirtschaft.

Helga Krémer 27.05.2016

Mit Salami und Paprika wachsen

Unternehmen in Ungarn haben es gerade nicht leicht. Die Angst vor Orbanschen Ideen ist groß. Wäre nicht der private Konsum – das Wachstum in Ungarn wäre keines.

••• Von Helga Krémer

WIEN. In einer aktuellen Coface-Studie zu Ungarn zeigt sich einmal mehr die Macht der Privaten. Das von Coface prognostizierte Wachstum für 2016 von 2,2% ist nämlich dem privaten Konsum zu verdanken und nicht etwa Unternehmensinvestitionen. Obwohl mit 2,2% niedriger als 2015 mit 2,9% ausgefallen, seien die Aussichten laut Coface weiter gut.

So sei der Konsum derzeit der Haupttreiber des Wachstums, heißt es in der Studie „Overview of Hungary”, und das werde voraussichtlich auch in den kommenden Quartalen so bleiben. Als Gründe dafür werden die anhaltenden Verbesserungen am Arbeitsmarkt, sowohl im öffentlichen wie im privatwirtschaftlichen Bereich, und steuerliche Maßnahmen, wie beispielsweise die Reduzierung der Vermögens- und Umsatzsteuer, genannt. Die Haushalte profitieren unter anderem davon, dass Hypothekendarlehen von ausländischen Währungen auf die eigene Währung Forint umgestellt wurden. „Obwohl Ungarn ein langsameres Wachstum dieses Jahr verzeichnen wird, sind die 2,2 Prozent doch beachtlich. Der private Konsum bleibt stabil, die Wirtschaft wird aber vom ungünstigen Marktumfeld gebremst”, erklärt Grzegorz Sielewicz, Regional Economist für Central Europe bei Coface. Im nächsten Jahr könnte das Plus aber wieder ansteigen, wenn EU-Mittel wieder stärker fließen

Angst essen Investitionen auf

Aufgrund des ungünstigen Markt­umfelds würden Unternehmen nur zurückhaltend investieren, denn die Angst vor neuen Steuern sei groß. Unter der hohen Steuer- und Abgabenlast würden viele Branchen leiden. Banken, Energie- und Telekommunikationsunternehmen sowie die großen Einzelhändler beklagen zusätzliche finanzielle Belastungen; besonders Unternehmen in ausländischem Besitz bekamen die Probleme zu spüren. Und der Entspannung der Haushaltslage und des stärkeren Wachstums zum Trotz wurden weitere Steuern eingeführt.

Die Coface-Experten orten als Ursache der Verunsicherung der Unternehmen die Erwartung weiterer regulatorischer und gesetzgeberischer Maßnahmen, dies wiederum verhindere Investitionen und Geschäftsausweitungen. Die Zentralbank versuche zwar mit stimulierenden Maßnahmen, wie einer deutlichen Zinssenkung und einem Wachstumsprogramm mit günstigen Krediten für KMU die Wirtschaft anzukurbeln – dennoch setze der gesamte Unternehmensbereich offensichtlich mehr auf Schuldenabbau als auf Investitionen, heißt es in der Coface-Studie. „Weitere Maßnahmen zur Steigerung der Kreditaufnahme durch KMU könnten die Wirtschaftsaktivität stärken. Die Stimmung unter den größeren Unternehmen deutet auf mögliche Verbesserungen hin – sofern keine weiteren Steuerlasten eingeführt werden”, meint Sielewicz in seinem Ungarn-Überblick.

Autobranche fährt allen davon

Dem gegenüber stehe die Automobilbranche, meint der Coface-Regional-Economist: „Die Branche ist eine wichtige Stütze der Wirtschaft, produziert zehn Prozent der Güter und trägt 4,5 Prozent zur gesamten Wertschöpfung bei; der recht gute Ausblick für die Branche profitiert von der Nachfrage aus Westeuropa, den wichtigsten Abnehmerländern. Hinzu kommt die gute preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Herstellern in der Eurozone, die nicht selten unter Überkapazitäten leiden.”

Was uns das angeht? Nun, vom soliden ungarischen Wirtschaftswachstum könnte auch Österreich profitieren, da Ungarn, laut Statistik Austria auf Platz 7, zu unseren wichtigsten Exportländern zählt.

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