FINANCENET
Wirtschaftslage wird rosiger © APA/Helmut Fohringer

In Österreich sorgte die Überwälzung von Kosten unter anderem für Hygienemaßnahmen sowie die Nicht-Weitergabe von steuerlichen Vorteilen für eine deutlich höhere Inflation.

© APA/Helmut Fohringer

In Österreich sorgte die Überwälzung von Kosten unter anderem für Hygienemaßnahmen sowie die Nicht-Weitergabe von steuerlichen Vorteilen für eine deutlich höhere Inflation.

Redaktion 23.10.2020

Wirtschaftslage wird rosiger

Aussichten verbessern sich, das Erholungstempo lässt jedoch nach – Wachstumseffekte durch EU-Programm.

••• Von Reinhard Krémer

WIEN. Die Konjunkturstimmung in Österreich hat sich zu Herbstbeginn weiter verbessert. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator ist im September auf minus 0,9 Punkte gestiegen. Damit hat sich der Indikator den vierten Monat in Folge erhöht, was auf ein Anhalten der wirtschaftlichen Erholung in Österreich aus dem Coronatief des Frühjahres hinweist”, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Erholung verliert an Tempo

Allerdings: „Die monatliche Verbesserung des Indikators nimmt laufend ab, die Erholung verliert bereits an Tempo. Der Rebound-Effekt der ersten Monate nach dem Shutdown läuft aus”, sagt Bruckbauer.

Das aktuelle Konjunkturumfeld in Österreich ist erstmals wieder nach zwei Rückschlägen in Folge von einer leichten Aufhellung der Verbraucherstimmung gekennzeichnet. Diese ist aber weiterhin deutlich von den positiven Werten vor Ausbruch der Pandemie entfernt.
Das spürt insbesondere der Dienstleistungssektor, der nach dem Nachfrageeinbruch noch eine große Lücke zu schließen hat.

Output-Lücke schließen

Die jüngsten Wirtschaftsdaten und der aktuelle UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator machen deutlich, dass der Rebound-Effekt ausläuft. Das Wachstumstempo hat in Österreich bereits Ende des dritten Quartals nachgelassen.

Mit den gestiegenen Infektionszahlen, die erneute wirtschaftliche Beschränkungen erwarten lassen, wenn auch ein Shutdown in dem Ausmaß des Frühjahres nicht mehr folgen dürfte, sind die Rahmenbedingungen für den andauernden Aufholprozess zum Schließen der entstandenen Outputlücke noch schwieriger geworden.

Der private Konsum lahmt

„In den kommenden Monaten wird das Erholungstempo deutlich an Schwung verlieren. Der private Konsum wird angesichts der bestehenden Unsicherheit und der angespannten Lage am Arbeitsmarkt nur noch geringe Zuwächse erreichen, und auch die Investitionsdynamik wird sich in diesem Umfeld verlangsamen, zumal die Exportaussichten durch das verstärkte Aufleben der Pandemie vorerst verhalten bleiben. Wir erwarten einen Rückgang des BIP im Gesamtjahr 2020 von über sechs Prozent”, so UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

„Neben der weiterhin expansiven Geldpolitik durch die EZB sollten in der zweiten Jahreshälfte 2021 erste positive Wachstumseffekte durch das Aufbauprogramm Next Generation der Europäischen Union spürbar werden. Eine Verstärkung der fiskalpolitischen Anstrengungen wird jedoch auch in Österreich notwendig sein, um die Wirtschaftsleistung an das Vorkrisenniveau heranzuführen. Wir gehen derzeit von einem formal starken Wirtschaftswachstum von bis zu fünf Prozent aus, das jedoch nicht ausreicht, um die Outputlücke bis Ende 2021 schließen zu können”, sagt Pudschedl.

Die Gastronomie leidet stark

Während sich die Lage in der Bauwirtschaft bei günstigen Wetterbedingungen annähernd normalisieren könnte, werden andere Wirtschaftsbereiche die Belastungen durch die anhaltende Pandemie weiterhin stark spüren.

Im Dienstleistungssektor ist vor allem die Sparte Beherbergung und Gastronomie stark betroffen; die Arbeitslosigkeit liegt hier mehr als 40% über dem Vorjahr, und fast 40.000 Personen befinden sich noch in Kurzarbeit.
In den ersten neun Monaten betrug die Teuerung im Euroraum durchschnittlich nur 0,4% gegenüber dem Vorjahr, in Österreich dagegen 1,5% – das könnte zur Wachstumsbremse werden, meinen die Bank Aus­tria-Experten.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL