INDUSTRIAL TECHNOLOGY
Sicherheitsfrage © APA/AFP/Ben Stansall

Logistiker müssen immer öfter „Logistik-Roulette” spielen: Die Container sind neuerdings nie dort, wo man sie braucht.

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Logistiker müssen immer öfter „Logistik-Roulette” spielen: Die Container sind neuerdings nie dort, wo man sie braucht.

Redaktion 14.05.2021

Sicherheitsfrage

Hauptsache billig, Hauptsache kurz, das war einmal. Heute, post Corona, regiert die Liefersicherheit.

WIEN / KÖLN. Vor Corona galten zuverlässige Transporte rund um den Globus als selbstverständlich. Transportmittel wurden nach Kosten oder Geschwindigkeit gewählt. Heute gilt die höchste Priorität der Liefersicherheit, wie eine Recherche von Inverto, der auf Einkauf und Supply Chain Management spezialisierten Tochter der Boston Consulting Group, ergeben hat.

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich die Situation in der Logistik massiv verändert: Airlines reduzierten ihre Kapazitäten und wurden zugleich teurer; die Kosten für Seetransporte sind heute ebenfalls weitaus höher als vor der Krise, und Empfänger warten länger. So sind die Lead Times aus Asien durchschnittlich um mehr als das Doppelte gestiegen.
Gelitten hat auch die Zuverlässigkeit: Aktuell kommt kaum ein Schiff pünktlich an. Eine nie dagewesene Containerknappheit und zuletzt die Havarie der „Ever Given” im Suezkanal verschärfen die Probleme.
Aber: Unternehmen investieren viel, um die Liefersicherheit aufrechtzuerhalten. Vier Trends zeichnen sich dabei laut Inverto ab: Regionalisierung der Lieferketten, Aufbau größerer Sicherheitslager, Flexibilisierung bei der Wahl der Transportmittel und Digitalisierung.
Viele Unternehmen hätten begonnen, ihre Lieferketten zu diversifizieren und dabei gezielt nach Lieferanten aus der eigenen Region zu suchen. Das Ziel sei weniger, die bisherigen Partner zu ersetzen, sondern die Abhängigkeit von einem Lieferanten oder einer Region zu verringern und auf diesem Weg die Stabilität zu erhöhen.

Regional, flexibel, digital

Außerdem würden Lagerbestände ausgebaut – nicht immer aus eigenem Antrieb. „In der Automobilindustrie sehen wir häufig, dass die Hersteller ihre Lieferanten dazu verpflichten, die Lager zu vergrößern, um jederzeit lieferfähig zu sein”, sagt Paul Zahn, Principal bei Inverto und Automotive-Experte.

Um Lieferrisiken stets im Blick zu haben, haben viele Unternehmen in das digitale Monitoring ihrer Lieferketten investiert. Bislang werden Software-Lösungen jedoch nur punktuell eingesetzt. Die durchgängige Vernetzung der gesamten Supply Chain bis hin zum Kunden werde Inverto zufolge die Hauptaufgabe der kommenden Jahre sein. (hk)

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