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Wie geht es dem digitalen Standort Österreich?
13.11.2015

Wie geht es dem digitalen Standort Österreich?

medianet sprach mit Mr. Infrastrukturreport und Staatspreisträger ­David Ungar-Klein über Digitalisierung und Wettbewerbshürden.

••• Von Helga Krémer

WIEN. Seit über zehn Jahren nimmt David Ungar-Klein, Eigentümer und Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Create Connections, Österreichs Infrastruktur unter die Lupe. medianet sprach mit Mr. Infrastruktur­report und Staatspreisträger David Ungar-Klein über Digitalisierung, ­Nikoläuse und – natürlich – „seinen” Report.

medianet:
Was hat Sie überhaupt auf die Idee gebracht, einen Report zu machen? Der Aufwand ist ja doch sehr hoch.
David Ungar-Klein: Der Standort Österreich befindet sich in einem ständigen Wettbewerb. Um für internationale Investoren, Standort­entscheider und Innovatoren attraktiv zu sein, ist die permanente Auseinandersetzung mit und die Verbesserung der Infrastruktur ein wesentliches Anliegen, um welches wir uns viribus unitis annehmen. Befragt wurden vom Markt- und Meinungsforscher Peter Hajek 240 Manager österreichischer Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern; ergänzend dazu wurden von meiner Agentur Create Connections rund 100 Interviews mit österreichischen Experten aus ­Politik, Wirtschaft und Verwaltung geführt.

medianet:
In wenigen Wochen kommt der Krampus bzw. der Nikolo. Was gibts von Ihnen für die Digitalisierungs-Verantwortlichen? Ein Stückerl Kohle oder ein Nikolo-Sackerl?
Ungar-Klein: Selbstverständlich ein Nikolo-Sackerl mit dem neuen FBA-Infrastrukturreport. Wir haben heuer erstmals einen Schwerpunkt zum Thema ‚Digitaler Standort' gesetzt. Damit liefern wir eine Vielzahl von relevanten Informationen und Positionen der Entscheidungsträger aus der Wirtschaft. Von ihnen hängt es ja maßgeblich ab, in welchem Ausmaß wir die Digitalisierungschancen für Österreich nützen können. Die ­Verantwortlichen sind gut beraten, dies in ihre Planungen miteinzubeziehen.

medianet:
Im heurigen Mai erklärte BM Alois Stöger das Breitbandförderprogramm des bmvit für gestartet. Hätte man damit nicht schon früher beginnen sollen oder können? Hat sich seit Mai schon etwas Nennenswertes getan?
Ungar-Klein: Ich kann Ihnen nur sagen, was die von uns befragten Manager sagen, nämlich: Es gibt erheblichen Handlungsbedarf im Infrastrukturbereich IKT (Informations- und Kommunikationstechnik oder -technologie, Anm.). Die Breitbandmilliarde wird als überaus wichtig eingeschätzt. Österreichs IKT-Infrastruktur liegt im europäischen Vergleich entsprechend dem Saldowert erstmals im negativen Bereich. Soweit die Wahrnehmungen der Manager. In diesem Sinn: Gut, dass wir das Programm haben; noch besser, wenn es raschestmöglich umgesetzt wird.

medianet:
Wo sehen Sie besondere Chancen der Digitalisierung?
Ungar-Klein: Die Digitalisierung ist ein unglaublicher Hebel für Unternehmen, Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten neu zu organisieren und dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Das funktioniert aber nur, wenn dafür die infrastrukturellen Rahmenbedingungen stimmen. Nur dann können wir von digital induzierter Produktivitätssteigerung profitieren. Infrastruktur ist der Schlüssel zum Digitalisierungserfolg.

medianet:
Im OÖ-Infrastrukturreport 2015 findet sich Oberösterreich bei der Bewertung des Infrastrukturausbaus in den Bundesländern mit Abstand an erster Stelle (89%) vor Wien (61%). Was machen die Oberösterreicher so viel besser als die Wiener?
Ungar-Klein: Oberösterreich ist ein wirtschaftsstarkes Bundesland mit einem starken industriellen Kern. Wir beobachten dort eine strategisch fundierte Auseinandersetzung mit dem Thema Infrastruktur und eine sehr offene Haltung für infrastrukturpolitische Anliegen. Klare Akzente im Bereich der Energie-Infrastruktur, aber auch im Straßenbau sind spürbar. Das macht sich in der Wahrnehmung der befragten Manager bezahlt. Klar ist aber auch, dass die infrastrukturellen Bedingungen in einem Flächenbundesland und in der Bundeshauptstadt ganz andere sind.

medianet:
‚Industrie 4.0' – nur ein Schlagwort, das noch dazu vielen Angst macht von wegen Datenschutz, Jobvernichtung und Rechtssicherheit, wenn z.B. das Auto selber fährt , oder ist da doch mehr dahinter? Was ist da für ­Österreich noch ‚drinnen'?
Ungar-Klein: Wenn Sie sich die Erhebungen des FBA-Report ansehen, sehr viel: 67 Prozent der österreichischen Manager befürworten sogar das Ziel, dass Österreich ein IT-Zentrum à la ‚Silicon Austria' werden soll. Das erfordert eine ambitionierte IKT- und Standortpolitik. Und kluge Förderungen: Vorrangig soll es Förderungen für intelligente Energienetze (49 Prozent), Industrie 4.0 (37 Prozent) und Cybersecurity (32 Prozent) geben, sagten unsere Manager.

medianet:
Im Abtausch mit dem Aus für Roaming-Gebühren wurde laut dem grünen Abgeordneten Michel Reimon ‚die Netzneutralität geopfert'. Wie stehen Sie zu den Beschlüssen des EU-Parlaments bezüglich des Endes der Roaming­gebühren und zu den neuen Regeln bezüglich Netzneutralität? ­Inwiefern sind österreichische KMU von den neuen, ‚schwammigen' Regeln betroffen?
Ungar-Klein: Die Konsequenzen lassen sich noch nicht umfassend beurteilen. Klar ist aber, dass ein Zusammenhang zwischen infrastrukturellen Kapazitäten und einem Internet der unterschiedlichen Geschwindigkeiten besteht. Wer Letzteres nicht will, muss sich umso mehr für Stärkung und Ausbau der digitalen Infrastruktur stark machen.

medianet:
Abschließend gefragt: Was würden Sie sich bezüglich Digitalisierung und In­frastruktur wünschen?
Ungar-Klein: Keine Verzögerungen mehr. Wir beschäftigen uns im Rahmen der Standortinitiative Future Business Austria schon seit über zehn Jahren mit den infrastrukturellen Rahmenbedingungen im IKT-Bereich – und den dafür notwendigen Investitionen. Es ist erfreulich, dass es nun endlich einen starken Impuls gibt.

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