HEALTH ECONOMY
Kritik an Kommunikation während der Pandemie © APA/Hans Punz
© APA/Hans Punz

Redaktion 09.04.2021

Kritik an Kommunikation während der Pandemie

Es läuft einiges falsch in Sachen Krisen-Kommunikation, sagen immer mehr Experten. Und sie zeigen, wie es geht.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Es läuft einiges schief im Hinblick auf die Kommunikation in der Pandemie. Zu diesem Schluss kommen immer mehr Experten, die das Geschehen und Regierungsmaßnahmen nun seit mehr als einem Jahr beobachten. Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Thomas Szekeres, forderte etwa am Mittwoch mehr Klarheit von der Regierung ein.

„Sperrt Österreich zu”

Die Situation in den Krankenhäusern und Intensivstationen sei dramatisch. „Nicht nur in Wien und Ostösterreich, auch in den Bundesländern wird es bald so weit sein”, schrieb er auf seinem Blog. Seine Conclusio: „Sperrt ganz Österreich zu. Und kauft endlich Impfstoffe.” Szekeres mahnt, die „normale” Gesundheitsversorgung nicht außer Acht zu lassen: „Tausende Österreicher benötigen Intensivbetreuung, für Eventualitäten wie Unfälle, plötzliche Herzinfarkte oder Schlaganfälle, daher muss eine Reserve an Intensivbetten behalten werden.” Wenn Menschen nun Angst bekommen, zum Arzt zu gehen oder erfahren, dass ihre Operationstermine verschoben werden, würden sie das Vertrauen in das Gesundheitssystem und die Gesundheitsversorgung verlieren.

Harsche Kritik an Politikern kommt von der Virologin Isabella Eckerle, die fragt, welche Ziele einige Politiker während der Pandemie verfolgen. Ihr scheine es, dass manche nur die Verantwortung vermeiden wollten. Die in der Schweiz forschende Wissenschaftlerin schrieb auf Twitter: „Ich habe immer mehr das Gefühl, dass die Eindämmung der Pandemie oder auch nur die objektive Auseinandersetzung mit Daten bei einigen Politikern nie das Ziel war – nur die Frage, wie man das jetzt irgendwie laufen lassen kann, ohne hinterher verantwortlich gemacht zu werden.”

Zehn Kommunikationsregeln

Kritik kommt auch vom Institut für Höhere Studien (IHS) in Wien. Der dortige Policy-Brief für den März trägt den Titel „Zehn Gebote der Verhaltenswissenschaften in der Pandemiebekämpfung”. Die Verhaltenswissenschaften könnten viel dazu beitragen, die Gestaltung, Kommunikation, Durchsetzung und Akzeptanz von Regeln, die unser aller Verhalten zu diesem Zweck beeinflussen wollen, zu verbessern, heißt es. Die zehn Punkte sind:

• Konkrete Ziele verfolgen.
• Unsicherheit reduzieren.
• Ehrlich kommunizieren.
• Einfachheit ehren.
• Konditionale Kooperation unterstützen.
• Anreize hebeln.
• Regeln und Kommunikation zielgruppenorientiert designen.
• Unterstützung bei der Regelbefolgung bieten.
• Nicht auf Basis schlechter Daten Regeln gestalten.
• Beim Design von Maßnahmen strategisch denken.

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