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Story – das Licht am Ende der Orientierungskrise.

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Erstellt von Markus Gull on 22/03/2019

Story – das Licht am Ende der Orientierungskrise.

Kennst Du das auch, wie unglaublich hungrig intensive geistige Arbeit macht? Ich erlebe das besonders beim Schreiben von Drehbüchern. Das ist nämlich eine der komplexesten Aufgaben in der Welt eines Autors, weil sich hier die Anforderungen an Inhalt, Struktur und Zeitlimit so intensiv verdichten, dass ich nach kurzer Zeit brumme wie ein Umspannwerk und regelmäßig meinen Akku mit einigen Gallonen Kaffee und ein paar Schaufeln Nüssen & Obst nachladen muss. Studentenfutter heißt genau deshalb so, glaube ich.

 

Zu faul zum Weiterlesen? Dann hör mir zu!

Im Blogcast lese ich Dir diesen aktuellen Blogartikel vor. Mit Betonung, versteht sich!

Schreiben ist wie das Leben: Man möchte meinen, es ist kompliziert, in Wahrheit ist es aber komplex. Unser Alltag ist mit Widersprüchen tapeziert, unser Lebensweg mit Dilemmas ausgeschildert. Deshalb scheint mir „Der ganz normale Wahnsinn“ eine der treffendsten Überschriften über unser aktuelles Kapitel der Zeitgeschichte zu sein.

Der Druck der Gleichzeitigkeit wird von der Fear of missing out (FOMO) geschürt und weicht in der Joy of missing out (JOMO) – always on und Digital Detox, so gut wie heute ging’s uns noch nie, aber alles läuft in die falsche Richtung. Consumerism mit anschließendem feierlichem Magic Cleaning, immer mehr Menschen machen sich größte Sorgen um den Zustand unserer Umwelt, gleichzeitig steigen die CO2-Emissionen schneller als die Gletscher schmelzen können, während jeder von uns den Lärmpegel nach oben schnattert, munter im Lichtsmog mitfunkelt, Ruhe sucht und keine gibt. Studien impfen uns mit glasklaren Fakten und Gegenstudien mit den passenden Gegenfakten. Sind das jetzt News oder Fakenews oder einfach nur Geräusche? – Und dann noch diese Ausländer! Alleine in Deutschland müssen sich mindestens 240 Millionen Flüchtlinge herumtreiben, schließlich hat ja jeder bereits drei gesehen …

Wer kennt sich aus? 


Internet und WorldWideWeb haben ein atemberaubendes Potenzial für Demokratisierung und Chancengerechtigkeit. Das, was uns allerdings am meisten beschäftigt, sind die größten Monopole aller Zeiten, die dadurch entstanden, während wir ins Global Village übersiedelt sind - ins größte Dorf der Welt, dem einzigen ohne gewählte Regierung. Dazu passt perfide gut, dass das größte Medium der Welt, Facebook, keinen einzigen Journalisten beschäftigt.

Wer sich mit Medien und Marketing auseinandersetzt, vermutet sowieso, dass dort als einzige ordnende Kraft das Chaos wirkt.

Wer kennt sich da noch aus? Niemand, würde ich sagen.

Wo steckt eigentlich Bruce Willis, wenn man ihn braucht, und wer bringt uns jetzt sicher nach Hause? Wo könnte denn das sein? Da wo die Heimat ist? Da wo die Freundschaft zählt? Da wo das Glück beginnt? – Nein, da wo ist nur Hansi Hinterseer …

Reflexartig und hoffnungsfroh denken wir Naivlinge bei „Wer kennt sich aus?“ an das offizielle Führungspersonal unserer Gesellschaft(en), die Politiker, und erkennen im selben Augenblick, dass es da nicht mehr viel zu hoffen gibt. Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, aber was, wenn es schon passiert ist und wir nur nicht zum Begräbnis eingeladen waren? Jedenfalls haben sich die gewählten Lösungsbringer weltweit eher auf der Problemseite häuslich eingerichtet und performen bestenfalls als Helene Fischer, während wir Bob Dylan brauchen. Das Auge isst mit, die Seele bleibt unterernährt.

In der Zwischenzeit kippt das Klima weg, beutelt die Digitalisierung unser Leben so durch wie kaum etwas zuvor, und bei vielen Menschen, die die Geschichte ihrer Zukunft schreiben, ist die Fragezeichentaste am Keyboard nicht nur abgenutzt, sondern sie klemmt bereits.

Ja, es geht immer mehr Menschen auf Erden immer besser (oder weniger schlecht).
Ja, es läuft alles in die falsche Richtung.
Ja, niemand kennt sich aus.

Aber wir würden uns so gerne auskennen!
Wir wollen wissen, warum!
Wir wollen wissen, wohin!

Was fehlt uns wirklich?

Was uns in unserer Zeit so sehr fehlt, ist Übersicht und Orientierung. Für uns selbst und unser Leben, für die Welt, für einfach alles. – Orientierung ist uns Menschen intrinsisch lebenswichtig und ist doch immer schwerer zu finden.

Ist es da ein Wunder, dass die „Selbsthilfe & Persönlichkeitsentwicklung“-Abteilung in den Buchhandlungen wächst und wächst? Ist es nicht logisch, dass sich in der Zeitschriftenabteilung die entsprechenden Regale biegen und in den sozialen Medien die Angebote rund um „Finde deine Bestimmung!“ explodieren, begleitet von motivierenden Zitate-Postings, denen auf unterschiedlichen Qualitätsstufen eines gemein ist: die Suche nach Orientierung?

Siehst du auch die Motivationsredner-Plattformen und -Veranstaltungen aus dem Boden sprießen, die abertausende Menschen anlocken wie das Licht die Motten? Inspiration NightsTobias Beck, Gedankentanken, Tony Robbins, MindValley, Christian Bischoff… Da ist in kurzer Zeit eine Industrie entstanden. Ihr Außendienst ist die komplexe Welt, ihr Kernprodukt heißt Orientierung, die Nachfrage steigt im Sekundentakt.

Die Evolution hat uns Menschen eine machtvolle Applikation ins Betriebssystem programmiert: die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen. Storys geben uns Orientierung.

Mit einer motivierenden Story können wir Unternehmen führen und Revolutionen auslösen.
 Mit einer begeisternden Story entwickeln wir Marken und uns selbst. 
Mit eine Werte-getriebenen Story erklären wir uns die Welt und den anderen unsere.

Storytelling als Welterklärung.

Storys schaffen Ordnung und Übersicht, und das brauchen wir Menschen in dieser täglich komplexer werdenden Welt.

Dazu wurde eben eine internationale Studie veröffentlicht, in der Daten aus 10.000 Jahren in 414 Gesellschaften aus 30 Regionen ausgewertet wurden, mit der Frage: Warum haben Menschen angefangen, an Götter zu glauben? Kurze Antwort: um komplexe Gesellschaften zusammenzuhalten.

Autoritäre Gottheiten tauchen erst ab einer Gesellschaftsgröße von mehr als einer Million Menschen und der damit verbundenen sozialen Komplexität auf, und zwar unabhängig davon, ob es sich um römische Gottheiten, den Gott im Christentum oder im Islam handelt oder um das Karma im Buddhismus. Überirdische Mächte belohnen und bestrafen das Verhalten der Menschen auf Erden, dafür gibt es einfache Ge- und Verbote – verpackt in Storys. Also: Orientierung.

Wenn man sich etwa die Bibel der Christen ansieht, hat man ein Werk voller Geschichten, Metaphern und Gleichnisse in der Hand, als ordnender Ratgeber für alle Lebenslagen. Jesus von Nazareth – Rebell und Motivational Speaker – volles Haus, volle Kassa, ewiges Leben (nach dem Tod …). Alles klar?

Komplexität von Situationen löst in uns das starke Verlangen nach Einfachheit aus. So ist unser Gehirn verdrahtet, weil die Beschäftigung mit Komplexität ganz einfach wahnsinnig viel Energie verbraucht und unser Körper auf Verbrauchsminimierung aus ist.

Storytelling als Orientierungshilfe. 

Der Zusammenhang zwischen Komplexität und dem biologisch, emotional und psychologisch getriebenem Verlangen nach Übersicht, Ordnung, Orientierung und also Einfachheit machen Story so wirkungsvoll. Und so gefährlich.

Denn Autoritäten, die mit ihren Storys Orientierung verheißen, gibt es in unterschiedlichen Gestalten: Jesus von Nazareth und Google von Alphabet, Trump und Trudeau, AfD, FdH, Coca-Cola, Cocaine, Inländer Rum und Ausländer raus … Götter und das, was wir dafür halten, können viele Gesichter haben und manche tragen eine Maske.
Hier findest Du noch einige weitere Gedanken dazu.

Storys stehen wie Leuchttürme im aufgewühlten Ozean unseres Daseins. Sie geben der Welt Struktur, weil sie von Herkunft, Religion, Ethnizität, Werten, Zielen, Tugenden, Vorlieben und Abneigungen erzählen, sie definieren, was gut ist und was böse, erklären Gebote und Verbote, teilen Erfahrung und Erkenntnis, verbreiten Glaube und Aberglaube, schüren Hass und Hoffnung, stellen Fragen und Fallen – geben Orientierung.

Weil wir uns in unserer Zeit vielfach darüber definieren, was wir kaufen, was wir essen, wie wir uns anziehen, was wir posten, wie wir uns fortbewegen oder wo wir Urlauben – kurz: wofür wir unser Geld ausgeben, womit wir es verdienen und wie wir unsere Zeit verbringen – sind die Leuchttürme unseres Daseins häufig mit Markennamen beschriftet.

Das macht Markenstorys so wirkungsvoll, ihre Wirkung kann weit über das pure Marketing hinaus strahlen. So oder so. Weil wir eben kaufen, was wir sein wollen und wir Teil von etwas Großem sein wollen. Dieses Prinzip funktioniert praktisch immer.

Storysharing statt Storytelling – gibt’s sogar beim Diskonter.

Du kannst das mit einem einfachen Test an dir selbst ausprobieren: Geh – ausnahmsweise – ohne Einkaufstasche zum Diskonter, such dir ein paare Lebensmittel zusammen, und nimm dir dann dafür an der Kassa eine Einkaufstasche. Nimmst du die mit dem Logo des Diskonters oder die mit dem Logo der Bio-Marke des Diskonters? Ecco! – Wir kaufen, was wir sein wollen, und wir wollen Teil von etwas Großem sein. Jedenfalls wollen wir es in der richtigen Einkaufstasche nach Hause tragen und das auch allen anderen zeigen … Wir teilen unsere Wertwelt, indem wir es mit unserer Einkaufstasche zeigen. So simpel wird aus Storytelling Storysharing, und darum geht’s.

In den USA stellte man fest: Ganz egal, welchen Platz man den Käufern von Solaranlagen für Häuser zur Montage empfiehlt, sie lassen die Paneele zur Straßenseite hin montieren.

Eine kürzlich publizierte internationale Untersuchung zeigt, dass sich die Mehrheit der Kunden für oder gegen einen Marke aufgrund ihres Standpunktes in gesellschaftlichen Fragen entscheidet, die Mehrheit der Menschen den Unternehmen weit mehr Lösungskompetenz in Sachen gesellschaftlicher Weiterentwicklung zutraut als den Regierungen und den CEOs der Unternehmen mehr als den CEOs der Regierungen. Und das Entscheidungsmotiv Nummer 1 für einen potenziellen Arbeitgeber ist die Marken-Story des Unternehmens.

Das ist die unübertreffliche Chance für Marken, Unternehmen und Organisationen, ja mehr noch: Das ist ein nobler Auftrag der Gesellschaft!

Übrigens: Hab’ ich schon erwähnt, dass es darüber ein kleines Anstifter-Buch für große Träume und noch größere Taten gibt? Es heißt: „Dann unternimm doch was. – Dein Traum. Dein Unternehmen. Deine Story.“

Hier kann man es bekommen.

„Dann unternimm doch was“ handelt von der enormen Nachfrage nach unternehmerischen Menschen, die Probleme erkennen, sie anpacken und daraus im besten Fall sogar ein erfolgreiches Unternehmen mit einer magnetischen Story machen. Das ist die beste Chance und eine großartige Nachricht für Story Insider, oder?

Das Prinzip ist einfach, die Umsetzung nicht. Denn Storys sind wie das Leben: nicht kompliziert, aber komplex.

Egal ob Weltkonzern, ob KMU/kleine und mittlere Unternehmen oder heldenhafte Einzelkämpfer als EPU – jeder Mensch, jede Marke, jedes Unternehmen hat und braucht mindestens einen archaischen Wert und die dadurch aktivierte Story, um die herum sich das Leuchtfeuer der Orientierung dreht. Es strahlt zuerst nach innen, dann nach außen.

Wenn du keinen magnetischen Wert als lebendiges Thema hast, erwarten dich auf Sicht noch zwei Erlebnisse: mitschwimmen im Nebel der Beliebigkeit und Orientierung durch den Preis. Beides sind nur andere Begriffe für Untergang zu noch ungewissem Zeitpunkt.

Allen, die also sagen: „Für mich und meine Marke gilt das nicht!“ seien jene Worte ans Herz gelegt, die meine Großmutter, die alte Story Dudette, mit ihrem allzu spitzen Daumennagel ins Fundament des Pharos von Alexandria ritzte: „No Story. No Glory.“

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Weitere Artikel rund um Storys & Brands findest du im Blog The Story Dude.

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